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Semper Reformanda |
Grüße der Reformierten Kirche in Ungarn |
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Dr. Gustáv Bölcskei, Im Namen der Reformierten Kirche in Ungarn möchte ich alle Teilnehmenden der 23. Generalversammlung des Reformierten Weltbundes begrüßen und will-kommen heißen. Wir freuen uns, daß der Reformierte Weltbund unsere Einladung angenommen hat, die 23. Generalversammlung in Ungarn abzuhalten. Sie werden während dieser Versammlung Themen diskutieren, die von allen Menschen, die ihren christlichen Glauben der reformierten Tradition gemäß leben und erfahren, Taten und Standfestigkeit verlangen. Dies ist an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend, an der wir berufen sind, den reformierten, christlichen Glauben authentisch zu verkündigen und zu leben, besonders wichtig. Ich freue mich, daß Sie alle das Buch Unsere Kirche: Die Reformierte Kirche in Ungarn erhalten haben, das unser Leben, unsere Geschichte, die gegenwärtige Struktur und die wichtigsten Bereiche unseres Dienstes beschreibt. Ich kann deshalb darauf verzichten, Ihnen Statistiken vorzutragen. Wir wissen aus dem Neuen Testament, daß selbst ein Glaube in der Größe eines Senfkorns Berge versetzen kann. Meines Wissens hat in der Großkirche in Debrecen noch nie eine Veranstaltung stattgefunden, bei der der Stuhl von Lajos Kosuth aus der Nähe des Abendmahlstisches entfernt worden wäre. Der Weltbund ist wirklich die erste Organisation, der dies gelungen ist. Dieser Stuhl erinnert uns daran, daß Kosuth und das ungarische Parlament am 14. April 1849 an diesem Ort die ungarische Unabhängigkeit ausgerufen haben. Obwohl dieses ehrgeizige Symbol ungarischer Unabhängigkeit weggestellt worden ist, hoffe ich dennoch, daß sein Geist dazu beiträgt, daß unser biblisches und reformiertes Erbe in den Ergebnissen dieser Versammlung zum Tragen kommen wird. Lassen Sie mich dem Thema Ihrer Generalversammlung einen Gedanken hinzufügen, denn ich hoffe, daß Sie wirklich in der Lage sein werden, "Ketten der Ungerechtigkeit" zu sprengen, wenn Sie die Probleme und Spannungen dis-kutieren, die die Delegierten hier vortragen, oder wenn Sie den Kontext der einzelnen Mitgliedskirchen und die Situation reformierter Christinnen und Christen auf der ganzen Welt bedenken. Ich möchte in diesem Zusammenhang Lásló Ravasz zitieren, der vielleicht der wichtigste ungarische, reformierte Bischof des 20. Jahrhunderts war. Das Motto seines Predigtbandes hieß: "Ich will keine Probleme lösen, sondern Ketten entfernen". Ich vertraue darauf, daß niemand diesen Satz falsch versteht. Ravasz ermutigt uns keineswegs dazu, Probleme unter dem Schleier falscher Einheit und falschen Friedens zu verbergen, und er vertritt auch nicht die Ansicht, Christen dürften nicht miteinander streiten. Zum Thema Debatten möchte ich noch einen anderen bedeutenden reformierten ungarischen Theologen, Istvan Serick, zitieren, der gesagt hat: "Das Problem besteht nicht darin, daß wir argumentieren, sondern wie wir argumentieren." Ich wünsche Ihnen einen Meinungs- und Gedankenaustausch, der nicht um künstliche Probleme kreist, sondern in dem Themen und Fragen zur Sprache kommen, die helfen können, die alleingültige Wahrheit Gottes in unserer Welt zu offenbaren. Wo der Geist Gottes gegenwärtig ist, werden Ketten von selbst gesprengt. Gottes Geist möge uns beistehen, Spiritus Sanctus Spiritus, damit wir erfahren, was schon in der Bibel steht - daß die Wahrheit uns freimacht, und deshalb alles, was uns nicht befreit, auch nicht wirkliche Wahrheit ist. Während des Gottesdienstes am letzten Sonntag nahmen der Stab des Weltbundes und die Stewards zusammen mit der Ortsgemeinde am Abendmahl teil. Ich teilte das Brot aus und machte dabei die interessante Beobachtung, daß einige beim Abendmahl die Hand ausstreckten, um sich das Brot zu nehmen, während andere ihre Hand lediglich öffneten, um das Brot zu empfangen. Ich bin überzeugt, daß diese Generalversammlung den Segen Gottes empfangen wird, wenn diese beiden Haltungen, die ich in den Gesten des bewußten Nehmens und Empfangens wahrgenommen habe, sich gegenseitig ergänzen, so daß erfahrbar wird, daß wir eine Gemeinschaft sind, die aus Bettlern um Gnade besteht und aus Menschen, deren Handeln eben von dieser Gnade inspiriert ist. Gott segne die Arbeit dieser Generalversammlung.
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