Jane Dempsey Douglass
Von Seoul nach Debrecen
Unsere gemeinsame Arbeit in Debrecen
Von Debrecen bis ins 21. Jahrhundert
Einige persönliche Worte der Dankbarkeit für Ihre Partnerschaft
Von Seoul nach Debrecen
Als wir heute morgen zu unserem
Eröffnungsgottesdienst kamen, war dies symbolisch gesehen ein festlicher Umzug von Seoul nach Debrecen. Angeführt von der koreanischen Delegation, der die ungarische Delegation folgte, betraten wir zusammen unseren offiziellen Tagungsort, die Große Reformierte Kirche von Debrecen.
Der Weg durch die Geschichte
Diese Prozession symbolisierte in erster Linie den Lauf der Zeit: acht Jahre voller historischer Ereignisse, die unsere Welt verwandelt haben. Acht Jahre, in denen der Kalte Krieg zu Ende ging, acht Jahre, in denen die Apartheid in Südafrika überwunden und eine gemischtrassige Demokratie eingeführt wurde, acht Jahre, in denen nach langjährigen Kriegen in El Salvador, Guatemala, Irland, Libanon und dem früheren Jugoslawien der Waffenstillstand erklärt wurde und acht Jahre, in denen in Malawi und Kongo Diktatoren ihrer Macht beraubt wurden. Jede einzelne dieser Errungenschaften repräsentiert natürlich nur den Anfang eines langen Prozesses sozialen Wiederaufbaus, der nötig ist, damit Gerechtigkeit wieder blühen kann.
Diese acht Jahre stehen aber auch für die Periode, in der viele Demokratien des Nordens anfingen, die Sicherheitsnetze ihrer Gesellschaften, die die Armen und vor allem die Kinder der Armen beschützt hatten, zusammenzuziehen oder aufzulösen; die Periode, in der die Globalisierung der Wirtschaft sich verschärft, der Wettbewerb sich geradezu brutalisiert und die Kluft zwischen reich und arm auf der ganzen Welt sich vergrößert hat; die Periode, in der es endlich zweifelsohne deutlich wurde, daß die Störung des Weltklimas als Folge menschlichen Handelns real ist. Es ist eine Zeit, in der wir überall in der Welt den Druck zu mehr Individualismus und Privatisierung und weg von den Werten der Gemeinschaft und des Allgemeinwohls erkennen können, eine Zeit, in der auf mehreren Kontinenten Gemeinschaften durch die Gewalt einer ethnischen Gruppe gegen eine andere zerstört wurden.
Auf unserem Weg von Seoul nach Debrecen sehen wir uns einer neuen Weltlage gegenüber, in der unsere Kirchen aufgerufen sind, ihr Zeugnis zu Jesus Christus abzulegen.
Der Weg mit dem Weltbund
Die Prozession von Seoul nach Debrecen führt uns symbolisch durch acht Jahre Arbeit des Weltbundes. Der Exekutivausschuß ist Ihnen Rechenschaft schuldig über unsere Verantwortung, die klaren und ehrgeizigen Mandate der Generalversammlung in Seoul für den Weltbund in den Neunziger Jahren auszuführen. Die Delegierten in Seoul hatten eine kraftvolle Vision, die damals fast unerfüllbar schien, die uns aber herausforderte, voller Energie an die Arbeit zu gehen. Ich hoffe, Sie konnten die Zusammenfassung unserer Arbeit in dem Bericht Von Seoul nach Debrecen lesen, einer Arbeit, die die historische Tradition des Weltbundes fortsetzt: Die sowohl praktische wie theologische Zusammenarbeit der Kirchen der reformierten Familie hin zu einer größeren Einheit in der reformierten Familie und in der ganzen christlichen Kirche, hin zu einem stärkeren, gemeinsamen Zeugnis des Evangeliums und hin zu einer festeren Unterstützung der Menschenrechte, einschließlich der in jüngster Zeit geäußerten Betroffenheit für Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung. Diese acht Jahre waren eine Zeit unvorhergesehenen Wachstums, was die Anzahl der Mitarbeiter/innen und Programme im Genfer Büro betrifft. Der Generalsekretär hat einen Assistenten bekommen, der unter anderem die Verantwortung für den Partnerschaftsfonds und den Mittel- und Osteuropafonds hat. Außerdem wurden die Arbeitsbereiche Publikationen, Partnerschaft von Frauen und Männern (PACT) und Jugendarbeit mit neuen Exekutivstabsmitgliedern besetzt. In dieser Zeit wurden auch die Finanzen stabilisiert, die Kontakte mit den Mitgliedskirchen durch systematischere Besuche und Korrespondenz erweitert und vertieft, zusätzliche Gebietsausschüsse des Weltbundes in Lateinamerika und Nordostasien entwickelt und eine engere Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen im Nahen Osten herbeigeführt.
Der Weg vom Süden zum Norden
Die Prozession von Seoul nach Debrecen symbolisiert aber noch viel mehr: nämlich eine Bewegung von den Kirchen des Südens zu den Kirchen des Nordens. Die Aktivitäten des Weltbundes bewegen sich nicht länger wie gewohnt von den Ländern des Nordens zu denen des Südens, sondern inzwischen gibt es auf diesem Weg von Seoul nach Debrecen auch eine umgekehrte Bewegung vom Süden in den Norden. Die Zahl der Mitgliedskirchen im Süden nimmt beständig zu, wie auch der Anteil dieser Kirchen, die inzwischen drei Viertel der Mitgliedschaft des Weltbundes ausmachen. Wir begrüßen diese Gegenseitigkeit der Initiative im Leben des Weltbundes und wollen sie verstärken. Wir sollten zur Kenntnis nehmen, daß in den Kirchen noch eine andere Richtungsänderung vor sich geht, die über die Arbeit des Weltbundes hinausreicht. Während vor hundert Jahren die Missionsarbeit der Kirchen sich vom Norden nach dem Süden ausrichtete, schicken heute auch Kirchen des Südens Missionare in den Norden wie in den Süden.
Der theologische Weg
Auch eine theologische Bewegung wird durch die Prozession von Seoul nach Debrecen symbolisiert. In Seoul konzentrierten wir uns mit unserem Thema "Wer sagt ihr, daß ich bin?" (Mk 8,29) auf das Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus. Reformierte Christinnen und Christen wissen, daß Christus als Herrn zu bekennen bedeutet, Christi Herrschaft über alles Leben, das persönliche und das öffentliche, das heilige und das säkulare, anzuerkennen. In Debrecen werden wir durch unser Thema "Sprengt die Ketten der Ungerechtigkeit" (Jes 58,6) eine der Möglichkeiten erforschen, wie wir dieses Bekenntnis in Glaubenstreue leben können.
Wie können wir wagen, ein solches Thema aufzunehmen, wenn wir selbst alle so tief in Ungerechtigkeit verstrickt sind? Reformierte Christen verstehen, daß unser Gehorsam gegenüber Gottes moralischen Geboten ein Akt der Dankbarkeit dafür ist, daß Christus uns mit Gott versöhnt hat. Ja, wir sind Sünderinnen und Sünder, aber uns ist vergeben, und wir wissen, daß wir nur durch die Gnade Gottes in Jesus Christus gerettet werden können. Deshalb arbeiten wir voller Dankbarkeit, um Christi Reich auf Erden sichtbar zu machen, ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, in dem alle menschlichen Schranken fallen. Diese Arbeit ist ein integraler Bestandteil unseres Glaubensbekenntnisses an Jesus Christus als Herrn und unseres Gottesdienstes. Unser gemeinsamer Lehrer, Johannes Calvin beschrieb in einer Predigt über den Gesang der Engel bei Christi Geburt diese Antwort des Dankes:1
" ...laßt uns lernen, auf keinen Fall einen toten und trägen Glauben zu haben, sondern ermutigt sein, den Namen Gottes zu preisen - dankbar zu sein - wenn wir sehen, daß Gott die großen Kostbarkeiten von Gottes Barmherzigkeit vor uns ausgebreitet hat; laßt einerseits den Mund seine Pflicht tun, aber dann mit unserem ganzen Leben antworten. Denn es gibt einen wahren Hymnus, daß alle ihr Leben in den Dienst Gottes stellen; da wir wissen, daß Gott uns so teuer erkauft hat, ist es nur recht, daß alle unsere Gedanken und unsere Werke in diesen Dienst gestellt werden, damit Gottes Name gelobt werde."
In diesem Geist dankbarer Anbetung und dankbaren Dienstes zum Lobe Gottes nehmen wir das Wort Gottes auf, das uns durch den Propheten Jesaja gesagt wurde und suchen herauszufinden, was der Wille Gottes für das Leben der Menschen ist. Gott erklärt in der Jesajastelle im 58. Kapitel, daß falsche Frömmigkeit, die sich eher auf oberflächliche Teilnahme an den gottesdienstlichen Feiern beschränkt, aber Gottes Wunsch nach ernsthafter Beseitigung der Ketten der Ungerechtigkeit außer acht läßt, in Gottes Augen völlig unannehmbar ist. Überall in der Welt sehen wir die Ketten der Ungerechtigkeit, die uns zum Zeugnis herausfordern, Ketten des Rassismus, der Geschlechterdiskriminierung, der wirtschaftlichen Ausbeutung, der ethnischen Feindseligkeiten, des ungleichen Zugangs zu solchen Lebensnotwendigkeiten wie ausreichender Ernährung, Bildung, sicherer Wohnung, medizinischer Versorgung, des mangelnden Schutzes der Verletzlichsten in unserer Gesellschaft, der mangelnden Religionsfreiheit oder der Freiheit der Andersdenkenden, der Zerstörung unseres Planeten, der unser gemeinsames Zuhause ist. Gottes Wort, durch Jesaja gesprochen, verlangt etwas von uns: Als Christinnen und Christen sind wir berufen, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen, weil wir wissen, daß die Mission der Kirche sich an der Mission Jesu Christi ausrichten muß, um jede Form des Bösen, der Ungerechtigkeit und des Leidens zu überwinden.
Um dieser Mission willen muß die Kirche der Welt Gottes neue Gemeinschaft der Versöhnung vorleben, einer Gemeinschaft, in der trotz menschlich geschaffener Schranken alle Menschen, die Jesus Christus als Herrn bekennen und durch die Taufe zu Gliedern des Leibes Christi wurden, als Brüder und Schwestern willkommen sind, um zusammen in Liebe und Gerechtigkeit und christlicher Freiheit zu leben. Unser Zeugnis bleibt jedoch trotz ernsthafter Bemühungen durch Ungerechtigkeit innerhalb des eigenen kirchlichen Lebens getrübt. Wir, die wir glauben, daß die Kirche sich immer wieder neu reformieren muß, müssen um Gnade bitten, um dem Heiligen Geist zu ermöglichen, unsere eigenen Ketten zu sprengen und uns in Gottes Zukunft zu führen.
Unsere gemeinsame Arbeit in Debrecen
In den Tagen in Debrecen werden wir durch gemeinsame Gottesdienste und Bibelarbeit zusammen zu verstehen suchen, was mit diesem Aufruf Gottes, die Ketten der Ungerechtigkeit in Kirche und Welt zu sprengen, gemeint ist. Und wir werden Gott um Kraft, Mut und Weisheit bitten, darauf eine Antwort zu finden. Durch den Glauben können wir vertrauen und in einer Weise hoffen, wie nur Glaubende hoffen können, daß Gott in unserer Welt schon am Werk ist, Ungerechtigkeit, Sünde und Tod zu überwinden, wie der Sauerteig im Brot oder das Wachsen des Senfkorns zur großen Pflanze; wir brauchen aber die Augen des Glaubens, um die Zeichen des Reiches Gottes zu sehen und uns unsere eigene Aufgabe vorstellen zu können. Und wir brauchen diese brennende Liebe für Gott und füreinander, die unsere Herzen und unseren Willen erwärmt zum freudigen Dienst in Christi Namen.
Unsere Gottesdienste, unsere Bibelarbeiten und die anderen Vorbereitungsdokumente sind von den unterschiedlichen Sichtweisen geprägt, die wir aus unseren verschiedenen Lebens- und Arbeitszusammenhängen einbringen. Wir alle tragen die Verantwortung, daß alle hier gegenwärtigen Stimmen gehört, und zwar mit Achtung gehört werden können. Gott hat seine Begabungen und seine Gnadengaben unter dem Volk Gottes so verteilt, daß wir einander gegenseitig brauchen. Die Reformierten haben versucht, dieser Einsicht in ihrer Ordnung Ausdruck zu geben. Unsere Zusammenkunft hier ist eine außergewöhnliche Gelegenheit, Erfahrungen und Einsichten von Laien, Ältesten, Diakonen und Diakoninnen, Pfarrerinnen und Pfarrern, Frauen und Männern, jüngeren und älteren Erwachsenen, Christinnen und Christen aus allen geographischen Regionen und aus vielen verschiedenen Kulturen zu teilen. Unter uns sind auch ökumenische Delegierte, damit das Bewußtsein unserer Beziehungen mit der weiteren christlichen Familie und dem Judentum wachgehalten wird. Wir werden sicher oft leidenschaftliche Reden hören. Wir müssen uns aber auch in leidenschaftlichem und geduldigem Zuhören üben, wenn wir einander wirklich verstehen wollen. Aus diesen Gesprächen wird das gegenseitige Engagement erwachsen, das unseren Bundesschluß erleichtern wird, Prioritäten für die Arbeit unserer Mitgliedskirchen festzulegen, die die Arbeit des Weltbundes bis zur nächsten Generalversammlung prägen werden.
Von Debrecen bis ins 21. Jahrhundert
Der Mitarbeiterstab und gewählte Mitglieder des Exekutivausschusses haben zusammengearbeitet, um ein Dokument "Der Weltbund nach 1997" vorzulegen, das Ihr Denken hinsichtlich der Prioritäten für die künftige Arbeit des Weltbundes anregen soll. Ich möchte gerne einige dieser Prioritäten hervorheben, indem ich mich auf das Thema Partnerschaft konzentriere.
Themen solcher Größenordnung und so globalen Charakters, wie sie uns in Debrecen konfrontieren - Reformierte Identität; Christliche Mission; Christliche Einheit; Gerechtigkeit für die Menschheit und für die Schöpfung; Zusammenarbeit zwischen Frauen und Männern - können nicht allein von einzelnen Christen oder von unseren jeweiligen Kirchen allein behandelt werden. Dafür brauchen wir die Solidarität der gesamten christlichen Familie, um immer stärkere Partnerschaften aufzubauen, die unser gemeinsames Zeugnis stärken. Wo es um Menschenrechte und Gerechtigkeit für die Schöpfung geht, müssen wir bereit sein, mit allen Menschen guten Willens, die diese Sorgen teilen, zusammenzuarbeiten.
Wenn ich den Begriff "Partnerschaft" anwende, beziehe ich mich nicht nur auf die Tatsache unserer gegenseitigen Abhängigkeit. Innerhalb der Rahmenbedingungen dieser Interdependenz gibt es nämlich viele verschiedene Typen von Beziehungen, von denen einige gesund und andere ungesund sind. Ich benutze hier den Begriff "Partnerschaft", um auf Beziehungen in der gemeinsamen Arbeit hinzuweisen, die von gegenseitiger Achtung, von Gerechtigkeit, von Gegenseitigkeit geprägt sind, und in denen jeder und jede etwas zu geben hat und etwas empfangen kann, Beziehungen eben, die Zeichen der neuen Schöpfung in Jesus Christus sein können. Innerhalb des Weltbundes gibt es ganz bestimmte Beziehungen, die wir als einem Spiegel unserer Verpflichtung für Gerechtigkeit fortsetzen und pflegen müssen, damit wir unser gegenseitiges Zeugnis stärken können.
Partnerschaft der Mitgliedskirchen untereinander und mit dem Weltbund
Der RWB ist nichts anderes als eine freiwillige Partnerschaft von Kirchen, die reformierte Wurzeln haben und wissen, daß sie einander brauchen. Er konnte in diesen 120 Jahren seit der ersten Generalversammlung nur deshalb gedeihen, weil Gott durch seine göttliche Gnade unter uns am Werk war und immer wieder neu eine Vision der Einheit der Kirche und der Solidarität der Menschheit geschaffen hat, die uns beständig als Partnerinnen und Partner an einer gemeinsamen Aufgabe zusammengeführt hat, wie groß auch unsere Meinungsverschiedenheiten zu Zeiten gewesen sein mögen. Die Jahr für Jahr wachsende Zahl der Mitgliedskirchen - Kirchen einer Familie, die getrennt waren und nun ihre Familienbande erneuern - erinnert uns an die traurige Geschichte von Spaltungen, sie zeugt aber auch von Gottes unaufhörlichem Versöhnungswerk und erfüllt uns mit großer Freude. Unsere Kirchen suchen die Partnerschaft mit dem Weltbund nicht nur aus praktischer Notwendigkeit, sondern weil sie eine theologische Vision von Kirche haben.
Unser Lebensstil als Weltbund wird von unserer calvinistischen Ethik geprägt: Wir leben bescheiden und unbürokratisch. Unser Mitarbeiterstab in Genf umfaßt mit Exekutivstab und Sekretärinnen dreizehn Personen und ist somit kleiner als der vieler großer Gemeinden. Die meisten unserer Stabsmitglieder in den Gebieten arbeiten entweder teilzeitlich oder auf freiwilliger Basis. Ein so einfacher institutioneller Lebensstil ist aber umso mehr vom Engagement aller seiner Mitglieder abhängig.
Als die jetzigen Amtsträger/innen sich im Frühjahr 1990 zum ersten Mal mit dem Genfer Stab trafen, um die künftige Arbeit zu planen, verpflichteten wir uns zum Versuch, von der Basis her zu arbeiten und zuerst zu hören, welche Bedürfnisse die Mitgliedskirchen haben. Diese Verpflichtung aber auch zu leben war keineswegs einfach. Die briefliche Kommunikation mit den Mitgliedskirchen ist nicht immer effektiv.
Weil es viele Kirchen gab, die wir nicht gut kannten, hat sich der Exekutivausschuß in den letzten acht Jahren auf fünf Kontinenten getroffen und sich bemüht, die verschiedenen Kontexte, in denen unsere Kirchen leben, ihre Führer, ihre Lebens- und Arbeitsstile, sowie ihre Bedürfnisse und Freuden kennenzulernen. In der Regel haben Stabs- und Exekutivausschußmitglieder sich in Teams aufgeteilt, um die Mitgliedskirchen in dem Gebiet auf der Hin- oder Rückreise zu den Ausschußsitzungen zu besuchen. Zwischendurch haben Stabs- und Ausschußmitglieder an besonderen Pastoralbesuchen teilgenommen, wenn diese für nötig erachtet wurden. Diese Mühen haben sich für unser Verständnis immer als sehr bereichernd und für unsere Arbeit als wesentlich erwiesen.
Der noch amtierende Exekutivausschuß hat auch die Entwicklung der Gebietsausschüsse reformierter Kirchen unterstützt, die auf Initiative der Regionen und als Parallele zu den seit den Anfängen des Weltbundes bestehenden Gebietsausschüssen in Europa und Nordamerika entstanden sind. Wir sind der Überzeugung, daß diese Gebietsausschüsse ein dienliches Mittel sein können, den Weltbund enger an die Kirchen anzubinden und die Partnerschaft mit Nachbarkirchen zu stärken, die sich in einem vergleichbaren dienstlichen Kontext vorfinden. Sie könnten besonders hilfreich sein, neuen Mitgliedskirchen des Weltbundes aus ihrer Region beizustehen. Dennoch sollte mit großer Sorgfalt versucht werden, eine enge Verbindung zwischen den Gebietsausschüssen und dem Exekutivausschuß zu halten, damit die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen und über die Regionen hinaus nicht geschwächt wird.
Wir hoffen, daß die Mitgliedskirchen ihrerseits immer stärker die Initiative ergreifen werden, um dem Weltbund ihre Vorschläge für die gemeinsame Arbeit, ihre Antworten auf Vorschläge des Exekutivausschusses, Nachrichten über ihre Arbeit und ihre Anliegen, sowie die verschiedenen Arten der Unterstützung, die sie zur gemeinsamen Arbeit beitragen können, mitzuteilen. Wir sind uns dessen bewußt, daß viele Kirchen sich in diesen schwierigen Zeiten außerstande sehen, die erwarteten finanziellen Beiträge zu leisten, einige sind aber ganz erfinderisch, zusätzliche Wege der Unterstützung zu finden. Der Exekutivausschuß hat den Stab gebeten, auch die "Sachbeiträge" zu verzeichnen, wie die Ausrichtung von Konsultationen oder die Übersetzung von Veröffentlichungen für die Verwendung in anderen Kirchen, wie auch Geldbeiträge zum regulären Haushalt, damit diese weitere Partnerschaft dokumentiert wird.
Sie tragen als Mitglieder dieser Generalversammlung die wichtige Verantwortung, nach kreativen und effektiven Wegen zu suchen, um die Partnerschaft zwischen Ihren Kirchen und dem Weltbund zu stärken. Diese Aufgabe beginnt ernsthaft, wenn Sie aus Debrecen abfahren und in Ihre Heimatkirche zurückkehren. Wir rechnen mit Ihrer Zusammenarbeit.
Partnerschaft des Mitarbeiterstabes des RWB und der gewählten Verantwortlichen
Im Namen des Exekutivausschusses möchte ich dem Generalsekretär und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowohl denen in Genf wie denen in den Regionen, meinen tief empfundenen Dank aussprechen. Alle Mitglieder des Exekutivstabes tragen die schwere Bürde der Verwaltungsarbeit, der theologischen Arbeit mittels des gesprochenen und geschriebenen Wortes, der Reisen zu den Mitgliedskirchen, der Arbeit in den Konsultationen und der seelsorgerlichen Arbeit in allen ihren Formen: im Gespräch oder über Telephon und Korrespondenz. Sie sorgen sich sehr um die Menschen in den Mitgliedskirchen, die ein Teil ihrer christlichen Familie sind. Aber auch die administrativen Assistentinnen tragen eine schwere Verantwortung, wenn sie zu den Exekutivausschußsitzungen oder Konsultationen mitkommen und unter schwierigen Bedingungen lange Stunden arbeiten. Auch sie haben ein wichtiges Amt. Sie alle, einschließlich des Koordinators der 23. Generalversammlung und seines Assistenten, sind nicht nur die zweite Meile, sondern die hundertste Meile mitgegangen, um diese Generalversammlung zu ermöglichen. Je enger wir als gewählte Verantwortliche mit dem Stab zusammenarbeiten, je besser verstehen wir, wie fordernd, herausfordernd und doch auch lohnend ihre Arbeit ist. Wir müssen aber auch den Familien unserer Stabsmitglieder, die in vielfältiger Weise die Freuden und Schwierigkeiten der Arbeit teilen, unsere dankbare Anerkennung aussprechen.
Da erkannt worden war, daß die neuen oder erweiterten Programmbereiche im Exekutivausschuß nicht die Unterstützung einer bestehenden Abteilung hatten (wie die der Theologie, Zusammenarbeit und Zeugnis, und Finanzen), ernannte der Exekutivausschuß in den Bereichen Kommunikation, Jugendarbeit und Partnerschaft von Frauen und Männern (PACT) Sonderausschüsse, um Programme zu entwickeln und die Stabsmitglieder in diesen hinzugekommenen Bereichen zu begleiten. Auch die Arbeit des Assistenten des Generalsekretärs wurde im Bereich des Partnerschaftsfonds und des Mittel- und Osteuropafonds von gesonderten Ausschüssen begleitet.
Da der Stab sich seit Seoul vergrößert hat, ist auch die Arbeit des Weltbundes entsprechend umfassender geworden. Es ist keine Frage, daß dieser erweiterte Dienst gebraucht wird und produktiv ist. Es ist aber genauso klar, daß die Arbeit des Weltbundes wieder ernsthaft eingeschränkt werden muß, wenn keine Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden, um mit dem jetzigen Stellenplan weiterzuarbeiten. Die finanzielle Stabilität, die in diesen letzten Jahren durch die hervorragende Arbeit der Finanzabteilung erreicht worden ist, hat diesen erweiterten Dienst möglich gemacht. Der jetzige Stand finanzieller Unterstützung kann unter den gegenwärtigen Umständen für die Zukunft nicht als gesichert gelten, muß aber vom neuen Exekutivausschuß intensiv weiterverfolgt werden, wenn diese grundlegende und notwendige Mitarbeiterzahl erhalten werden soll.
Ich möchte aber auch dem Exekutivausschuß, der aus den Amtsträgerinnen und Amtsträgern und den 25 von der Generalversammlung gewählten Mitgliedern besteht, für seine Arbeit meinen tiefempfundenen Dank aussprechen. Dieser Ausschuß ist verantwortlich dafür, die Strategie und Politik festzulegen, um die Mandate der Generalversammlung umzusetzen, die Arbeit des Weltbundes zu überwachen, neue Stabsmitglieder einzustellen und zwischen den Generalversammlungen für den Weltbund zu sprechen. Wie schon erwähnt, haben die Welt und die Kirchen sich seit der letzten Generalversammlung ernorm verändert, was neue Strategien für unsere Arbeit erforderte. Die Mitglieder des Exekutivausschusses haben sehr treu an allen Sitzungen teilgenommen und dabei ihre verschiedenen Gaben und Fähigkeiten eingebracht, die Anliegen unserer unterschiedlichen Mitgliedskirchen vertreten, mit großer Intensität und positiver Einstellung gearbeitet und sich so gegenseitig weitergebildet. Auf Bitten, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, haben sie freudig reagiert. Sie haben den Weltbund bei ökumenischen Tagungen vertreten, Besuche bei den Mitgliedskirchen gemacht, Hilfe bei der Organisation von Konsultationen oder Exekutivausschußsitzungen in ihren eigenen Ländern angeboten, Artikel geschrieben und Vorträge gehalten, um die Arbeit des Weltbundes vorzustellen, und sich an der Vorbereitung der Generalversammlung beteiligt. Sie sind dem Dienst des Weltbundes zutiefst verpflichtet und haben diese Verantwortlichkeiten zusätzlich zu ihrem ohnehin überlasteten Berufsleben auf sich genommen. Einige unter ihnen tun ihren Dienst für den Weltbund unter wirklichen persönlichen Opfern. Durch unsere partnerschaftliche Arbeit mit dem Stab sind starke Freundschaftsbande entstanden.
Uns ist so sehr bewußt geworden, wie wichtig es auch in Zukunft sein wird, die Partnerschaft des Exekutivausschusses mit dem Stab zu stärken, daß wir dem Nominierungsausschuß einige Richtlinien für seine Arbeit vorgeschlagen haben. Ich hoffe, Sie haben dies in "Der Weltbund nach 1997" bemerkt und werden dies bei der Wahl der neuen Leitung sorgfältig berücksichtigen.
Partnerschaft der Kirchen des Nordens und des Südens
Eine wichtige Funktion des Weltbundes war schon immer, Kirchen des Nordens und des Südens, die einst "Mutter-" und "Tochter-"kirchen waren, partnerschaftlich zu verbinden. Der RWB muß weiterhin mit Kirchen, die Missionare aussenden, zusammenarbeiten, egal aus welcher Region, um die Überbleibsel des "Paternalismus", die der Entwicklung gerechter und sich gegenseitig achtender Partnerschaften im Wege stehen, zu überwinden. Wir bekommen immer öfter zu hören, daß Probleme ungerechter Beziehungen aus unabhängigen Missionen einzelner Gemeinden entstehen, die sich der Kontrolle der nationalen Kirchenleitung entziehen. Wir sollten unsere Mitgliedskirchen bitten, die Verantwortung zu übernehmen, ihre Gemeinden über das Wesen von Partnerschaft zu unterrichten.
In Anbetracht der vor uns liegenden Aufgabe, uns in Debrecen mit globalen Problemen wie den Ketten wirtschaftlicher Ungerechtigkeiten zu beschäftigen, ist es wichtig, daß Kirchen des Nordens und des Südens diese Gelegenheit bekommen, als Partner zusammenzusitzen, um die Situation der jeweils anderen und den gegenseitigen Zusammenhang zu verstehen, zusammen die Probleme wirtschaftlicher Ungerechtigkeit zu analysieren, die sie ja beide fesseln, und gemeinsam Strategien zu entwerfen, wie diese Ketten gesprengt werden können.
Die reformierten Kirchen haben eine Verantwortung, sich zu Anwälten derer zu machen, die überall auf der Welt durch den Prozeß der Globalisierung ausgebeutet werden, und deren Gesellschaften unter den Auswirkungen dieses Prozesses leiden. Die allgemeine Globalisierung führt dazu, daß Arbeiterinnen und Arbeiter, die an ihren Ort gebunden sind, sowohl in den industrialisierten Ländern des Nordens wie im Süden ihre Verhandlungsmacht verlieren, um einen Lohn, von dem man leben kann, und gesunde Arbeitsbedingungen zu erhalten. Die Globalisierung macht alle Bemühungen von Regierungen im Norden und im Süden zunichte, Sozialversicherungen als ein "Sicherheitsnetz" für die Allerverletzlichsten unter ihren Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung zu stellen. Außerdem stellt die Globalisierung zum Beispiel Konsumentinnen und Konsumenten in einigen Kirchen des Nordens vor die moralisch abscheuliche Situation, daß eine Menge der von anerkannten Produzenten oft zu Luxuspreisen angebotenen Kleidung in Ländern des Südens von Arbeiterinnen und Arbeitern hergestellt worden ist, die nicht genug verdienen, um ihre Familien zu ernähren, und deren Bedingungen am Arbeitsplatz die Gesundheit beeinträchtigen. Obwohl wir alle von der Globalisierung betroffen sind, ist das Leiden im Süden, wo die Armen immer noch ärmer werden, am größten.
Hier in Debrecen werden wir diese Probleme des Nordens und des Südens zu unseren gemeinsamen Problemen machen, die wir gemeinsam angehen müssen. Wie können wir zusammen ein Zeugnis ausarbeiten, das der Aufforderung Gottes zur Gerechtigkeit entspricht, und durch das die Hände aller unserer Kirchen dadurch gestärkt werden, daß wir alle unsere eigene, besondere Verantwortung annehmen, in unseren eigenen Kontexten zur nötigen Veränderung beizutragen. Die Kirche ist von ihrem Wesen her eine der wenigen Institutionen, in denen gegenwärtig eine solche Partnerschaft über alle Schranken von Nationalität, wirtschaftlicher Klasse, Rasse, Alter oder Geschlecht hinweg geschaffen werden kann. Wir danken Gott für dieses Gabe und für diese Aufgabe.
Partnerschaft von Frauen und Männern in Gottes Mission in Kirche und Gesellschaft
Der Exekutivausschuß hat mit Begeisterung das Mandat von Seoul übernommen, in diesem Bereich ein Programm zu entwickeln. Ich hoffe, Sie haben den Bericht über das PACT-Programm gelesen, das wir entwickelt haben: das Programm zur Stärkung, Herausforderung und Umwandlung: Partnerschaft von Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft (PACT). Ich wurde gebeten, den Ausschuß von Frauen und Männern, die ernannt worden waren, um mit dem Stab in diesem Programm zusammenzuarbeiten, zu moderieren, was ich mit großem Vergnügen getan habe.
Wir trafen schon früh die Entscheidung, die Arbeit auf regionaler Ebene zu beginnen, weil unsere Kirchen berichtet hatten, daß die Haupthindernisse für die volle Partnerschaft der Frauen mit den Männern nicht in erster Linie theologischer, sondern viel mehr kultureller und praktischer Natur waren. Männer und Frauen aus den verschiedenen Regionen brauchten die Gelegenheit, ihre eigene Situation im Lichte des Evangeliums zu analysieren, eine Strategie für Veränderungen zu entwickeln, und Netzwerke für künftige Zusammenarbeit aufzubauen. Die Konsultationen, die von der Exekutivsekretärin von PACT für Afrika, Asien und den Pazifik, Europa, den Nahen Osten, Lateinamerika, die Karibik und Nordamerika organisiert worden waren, um diese Chance zu bieten, wurden von den teilnehmenden Frauen und Männern wärmstens begrüßt. Ich selbst habe an allen Konsultationen teilgenommen. Auf jedem Kontinent gibt es Ungerechtigkeiten in den Beziehungen von Frauen und Männern, die die Kirche hinterfragen muß. Auf jedem Kontinent gibt es aber auch Frauen und Männer, die dazu entschlossen sind, diese Beziehungen im Lichte des Evangeliums umzuwandeln. Fundament dieses Programms ist die theologische Arbeit mit der Bibel, durch die die Teilnehmenden angeregt wurden. Wir haben gelernt, daß wir uns zuerst im weiteren Sinne auf die Kirche als ganze konzentrieren und fragen müssen, wie die Kirchen unabhängig davon, ob die Frauenordination schon eingeführt ist, ein Klima schaffen können, durch das gerechte und gegenseitig achtungsvolle Beziehungen zwischen allen Frauen und Männern der Kirche gefördert werden. Nur in diesem Kontext kann es weitere Fortschritte geben, die den Weg für die Ordination von Frauen zum kirchlichen Amt ebnen.
Der Weltbund hat seit 1954 die Frauenordination offiziell unterstützt. Zur Zeit der Generalversammlung in Seoul haben nur etwas mehr als die Hälfte der Kirchen Frauen ordiniert. Inzwischen sind es mehr als zwei Drittel der Kirchen. Es gibt also einen stetigen Fortschritt. Und doch haben wir gelernt, daß die Aufgabe noch größer ist als angenommen. Das PACT-Programm, das in seinen Anfängen so vielversprechend ist, muß vom neuen Exekutivausschuß kräftig unterstützt werden.
Partnerschaft von Pfarrerinnen und Pfarrern, Ältesten, Diakoninnen und Diakonen und Laien
Wenn wir uns der Aufgabe stellen, die Ketten der Ungerechtigkeit zu sprengen, dann ist besonders deutlich, daß wir die Partnerschaft zwischen theologisch ausgebildeten Leuten und kirchlich engagierten Frauen und Männern fördern müssen, die in anderen Gebieten wie Wirtschaft, Recht, Sozialarbeit oder Landwirtschaft ausgebildet sind und Erfahrungen einbringen können, denn jede und jeder Einzelne unter ihnen kann die anderen etwas lehren. Dies ist die Gelegenheit, erneut unsere reformierte Tradition von der Lehre der Berufung aller Glieder der Kirche zu bekräftigen und Laien und Ordinierte im Kampf gegen Ungerechtigkeit zu mobilisieren.
Ökumenische Partnerschaft innerhalb der reformierten Familie und über Traditionslinien hinaus
Seit Seoul sind sowohl durch unsere Pastoralbesuche bei den Kirchen wie durch das Programm "Mission in Einheit" neue Anstrengungen unternommen worden, die zerstreuten Teile der reformierten Familie zu einem einheitlicheren Zeugnis zusammenzubinden. Einige unserer Mitgliedskirchen haben zum Beispiel in Chile, Brasilien, Südafrika und Korea erfreuliche Fortschritte gemacht, und diese Bemühungen müssen weitergehen. Dies ist der richtige Zeitpunkt, in der Hoffnung auf neue Partnerschaften auch jene reformierten Gruppen, die noch nicht Mitglieder des RWB sind, sowie den Reformierten Ökumenischen Rat (Reformed Ecumenical Council) zu ernsthaften Gesprächen zu drängen. Die Untersuchungen, die das Internationale Reformierte John Knox Zentrum für ein Handbuch aller bekannten reformierten Kirchen zusammengetragen hat, weisen auf die riesige, vor uns liegende Herausforderung hin.
Wir müssen auch unsere Verpflichtung erneuern, durch Partnerschaft mit Kirchen anderer Traditionen für die Einheit der Kirche Christi zu arbeiten. Wir glauben, daß es einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe gibt. Obwohl einige bilaterale Gespräche weitergehen müssen, entwickeln sich doch auch neue Möglichkeiten multilateraler Gespräche, an denen nicht nur einzelne Kirchen, sondern eher der RWB als Weltgemeinschaft teilnimmt. Wir sollten auch weiterhin bei diesen ökumenischen Bemühungen eine Führungsrolle übernehmen und den Reichtum unseres reformierten Erbes als unsere Gabe einbringen, uns aber auch für die reichen Gaben anderer öffnen und auf unsere Partner mit Offenheit und Ehrlichkeit, aber auch mit der hoffnungsvollen Erwartung der versöhnenden Kraft Christi zugehen.
Einige persönliche Worte der Dankbarkeit für
Ihre Partnerschaft
Schließlich möchte ich meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für den Ruf, der mich 1990 so unerwartet erreichte, mich als Ihre Präsidentin in Dienst nehmen zu lassen, aber auch für die außergewöhnliche Chance, die ich dadurch erhielt, die reformierten Kirchen kennenzulernen. Es gab Zeiten, in denen der Präsident hoffen konnte, jede einzelne Mitgliedskirche besuchen zu können. Dies ist leider inzwischen nicht mehr möglich, schon gar nicht für eine Präsidentin, die gleichzeitig Professorin an einem Seminar ist. Dennoch konnte ich Mitgliedskirchen in 26 Ländern besuchen: sechs Länder in Lateinamerika, sieben Länder in Europa, fünf in Afrika, vier in Asien, zwei in Nordamerika und zwei im Pazifik. Bei den meisten dieser Länderbesuche wurden mehr als eine Mitgliedskirche besucht, und einige Länder wurden sogar wegen besonderer Bedürfnisse mehr als einmal besucht. Ich habe auch an drei Sitzungen unserer Gebietsausschüsse teilgenommen: dem Karibischen und Nordamerikanischen Gebietsausschuß, bei AIPRAL in Lateinamerika und beim Europäischen Gebietsausschuß. Durch die Länderbesuche, die regionalen Treffen, die sechs regionalen PACT-Konsul-tationen habe ich Vertreterinnen und Vertreter fast aller unserer Mitgliedskirchen getroffen.
Teil des Wunders im Leben der Kirche Jesu Christi ist es, daß ich überall mit warmer Gastfreundschaft als Familienmitglied empfangen wurde. Es war eine Ehre, einfach deshalb Vertrauen zu genießen, weil ich im Namen des Weltbundes als Schwester in Christus kam, und mit Ihren Führern am Tisch zu sitzen, als Sie versuchten, herauszufinden, wie sie dem Evangelium in Zeiten schwerer Unterdrückung treu bleiben konnten, oder schmerzliche, alte Wunden zu heilen und mit Ihren Nachbarn versöhnt zu werden, um zu größerer, christlicher Einheit zu finden. Es war eine Ehre, das Vertrauen geschenkt zu bekommen, in Zeiten des Konflikts Ihre politischen Führer zu besuchen. Es war eine Freude, mit Ihnen zu feiern, wenn der Friede schließlich einkehrte und gespaltene Kirchen sich vereinigten. Auch wenn Ihre Kirche noch keine Frauen ordiniert, haben Sie mir Ihre Kanzeln angeboten und Ihre Vorlesungsräume geöffnet. Sie haben Ihre führenden Frauen und Männer versammelt, um mit mir über den Platz der Frauen in der Kirche zu reden, und Sie luden mich ein, mit Ihren Ältesten zusammen das Abendmahl auszuteilen. Danach bin ich von Frauen umarmt worden, die strahlend oder weinend erklärten, auch sie hofften, eines Tages als Älteste oder Pfarrerinnen Dienst tun zu dürfen. Sie haben mir zu Weihnachten oder Ostern geschrieben und Ihre Gebete für mein Amt angeboten oder mich über Ihre Fortschritte auf dem Laufenden gehalten. In allen diesen Dingen bezeugten Sie Ihren reichen Glauben an den Christus, der uns eint, Ihre Solidarität mit dem Weltbund und Ihre Liebe zur reformierten Familie. Es war mir eine Ehre, diese Familie vertreten zu dürfen.
Es hat mich immer gefreut, das so treu verkündigte Wort Gottes zu hören, die Sakramente unter allen möglichen Umständen, die so viele Kulturen und Kontexte widerspiegelten, zu feiern, unsere Kirchen in Schwierigkeiten mutig handeln zu sehen, die moralische Stärke kleiner Kirchen kennenzulernen, die verglichen mit ihrer Größe unverhältnismäßig einflußreich waren, die Kraft zu spüren, die vom Glauben einer Kirche an den lebendigen Christus ausgehen kann, auch wenn die Welt nur Tod sieht, so außergewöhnlich liebenswürdigen Christinnen und Christen mit so tiefem Glauben und Engagement zu begegnen und die Wirklichkeit der weltweiten Kirchengemeinschaft kennenzulernen, in der es keine menschlichen Schranken mehr gibt. Sie haben mich gelehrt, in ganz neuer Weise zu hoffen, so daß ich von jedem Besuch mit erneuertem Glauben und erneuertem Engagement für unsere Arbeit zurückgekehrt bin.
Ich danke Ihnen für Ihre Partnerschaft in der Arbeit des Weltbundes und ich bitte Sie, diese Partnerschaft auch weiterhin dem Stab, dem neuen Präsidenten und dem neuen Exekutivausschuß, den Sie hier in Debrecen wählen werden, anzubieten.
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Fußnoten
1 Ioannis Calvini Opera quae supersunt omnia, Hrsg. Baum, Cunitz, Reuss (Brunsvigae, 1891) Vol.46, Col.965.