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Der Reformierte Weltbund stellt sich vor (1999)

Während der 23. Generalversammlung riefen die 400 Delegierten der RWB-Mitgliedskirchen aus der ganzen Welt einstimmig "die Mitglieds-kirchen des Reformierten Weltbundes auf allen Ebenen zu einem verbind-lichen Prozeß der wachsenden Erkenntnis, der Aufkläung und des Bekennens (processus confessionis) bezüglich wirtschaftlicher Ungerech-tigkeit und ökologischer Zerstörung" auf.

Dieser Beschluß nimmt eines der drängensten Probleme der Gegenwart für die Menschheit und die ganze Schöpfung auf. Die Menschlichkeit auf dem Altar der heutigen Weltwirtschaft zu opfern, ist unlöslich mit dem Opfer der Natur verbunden. Das Projekt eines freien Weltmarktes nimmt Millionen von Menschen die Möglichkeit, aktiv am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Darüberhinaus droht es vielen weiteren Millionen Menschen, die sich mit einem solchen Wirtschaftssystem nicht einlassen können oder wollen, mit Ausschluß. Eine Globalisierung, die mit einem neoliberalen Wirtschaftssystem einhergeht, treibt viele Menschen in die Armut und zerstört die Natur. Die Wirtschaftskrisen in Asien, Rußland und Latein-amerika haben dies unlängst verdeutlicht und die wackligen Grundlagen des Globalisierungsprojekts offenbart.

In dem Beschluß werden drei bedeutende Begriffe verwendet. Zuerst ist der Begriff "Bekenntnis" zu nennen. Die Generalversammlung hat damit hervorgehoben, daß die Ungerechtigkeit des Weltwirtschaftssystems und die Umweltzerstörung nicht nur eine ethische Frage ist: sie stellt vielmehr die Integrität unseres christlichen Glaubens in Frage. Der zweite Begriff lautet "Erziehung": Wir dürfen diese Frage nicht allein den Experten überlassen. Die ganze Kirche muß lernen, diese Fragen anzusprechen und in ihrer Praxis mit ihnen ernst zu machen, weil sie unmittelbar mit unserem Glauben verbunden sind. Der dritte Begriff heißt "alle": alle RWB-Mitgliedskirchen auf allen Ebenen. Das bedeutet, daß der Prozeß auf allen Ebenen zu einer wirklichen Kirchenbewegung werden sollte.

Die Bibel sagt uns: "Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon" (Mt 6,24). Wir sind heute herausgefordert zu wählen, wem wir dienen wollen (vgl. Jos 24,15). Das ist der Rahmen für den vom Reformierten Weltbund ausgerufenen processus confessionis.

Was können Mitgliedskirchen tun, und wie? Der Brief einer Kirche aus Kamerun gibt dazu Hinweise: "Ich habe bereits die kleine RWB-Broschüre kopiert und an alle Gruppen meiner Kirche geschickt und ich bin dabei, im Mai in Yaoundé und im April in Garoua Workshops zu diesem Thema zu organisieren. Ich hoffe, daß 30-40 Jugendleiterinnen und -leiter die Einladung annehmen werden. Das würde der Anfang einer dauerhaften Diskussion über vom RWB angeregte Fragen sein." Das ist genau das, was sich der RWB von seinen Mitgliedskirchen auf allen ihren Ebenen erhofft hatte, um den Beschluß von Debrecen umzusetzen. Der RWB wird alles in seiner Macht stehende tun, um seine Mitgliedskirchen in diesem Prozeß zu unterstützen. Wichtig ist jedoch vor allem das Engagement selbst.

 

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