Vergib Uns Unsere Schulden
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Ein Offener Brief an die Mitgliedskirchen des RWB in den G8-staaten Anlässlich des Gipfels zur Schuldenkrise in Köln, Deutschland, Juni 1999 |
Liebe Brüder und Schwestern in Christus,
In acht Tagen werden die G8-Staaten über die Zukunft der Entwicklungsländer und deren Schulden entscheiden: wie viel jedes Land wem schuldet, und wie diese Summen zurückzuzahlen sind. Die Generalversammlung des RWB hat 1997 in Debrecen eine Erklärung hinsichtlich eines processus confessionis zum Thema der wirtschaftlichen Globalisierung angenommen, die neben anderen Faktoren auch auf die zunehmende Schuldenlast dieser Entwicklungsländer Bezug nimmt. Das Jahr 2000, das Erlaßjahr, das Gott zur Rückgabe und Erneuerung eingesetzt hat, steht vor unserer Tür. Es ist das Jahr des Wohlwollens des Herrn, in dem die Blinden sehen, die Gefangenen freikommen, die Hungrigen gesättigt, das Land zurückgegeben und die Schulden erlassen werden. Wie werden wir uns in diesem Jahr verhalten, sodaß diese Länder wirkliche Erneuerung erfahren?
Heute sind fünfzig der ärmsten Länder der Erde mit circa 265 Milliarden Dollar verschuldet, meist bei öffentlichen Gläubigern. Für die Volkswirtschaften im Norden entspricht diese Zahl der Summe, die alle drei bis vier Stunden im Welthandel umgeschlagen wird. Bei einem Erlaß von
90 Prozent läge der zu zahlende Betrag dieser Länder zwischen 26 und 30 Milliarden Dollar, ein fast belangloser Betrag angesichts der jährlichen Gewinne multinationaler Gesellschaften.
Und doch können diese Länder noch nicht einmal die Zinsen bezahlen, von der Rückzahlung der Kredite ganz zu schweigen. Ja, es ist sogar so, daß sie nur Anleihen machen können, wenn sie zahlungsunfähig sind, sodaß sie in einem Teufelskreis der Verschuldung gefangen sind, aus dem es kein Entrinnen gibt. Ist dies die Gerechtigkeit Gottes? Die Medien berichteten zum Beispiel kürzlich, daß ein Fabrikant von Luxusgütern 1993 bankrott ging. Dank der Konkursgesetze konnte sich die Firma jedoch von ihren Schwierigkeiten erholen und blüht inzwischen wieder. Länder aber, deren Kinder hungern, deren Bürgerinnen und Bürger keine Arbeit finden und trotzdem die Schuldenlast ihrer Regierungen tragen, haben keinen Anspruch auf Schutz, wenn sie wie diese Firma vor einem totalen Ruin stehen.
Was können Christinnen und Christen zum Ausgleich beitragen, damit Kinder wenigstens die gleichen Möglichkeiten zum Leben haben, wie eine Firma, die ihre Profitchancen wahrnimmt? ./..
Was können Eure Kirchen tun, um zur Schuldenfrage das Jahr des Herrn auszurufen? Ich möchte folgende konkrete Vorschläge machen, daß wir:
Christinnen und Christen in der ganzen Welt beten jeden Sonntag "unser tägliches Brot gib uns heute und vergib unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern". "Wie wir vergeben unseren Schuldigern", so vergibt uns der barmherzige Gott. Liebe Freundinnen und Freunde, jetzt ist es an uns, den Schritt vom Beten zum Handeln zu tun.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Milan Opocensky
Generalsekretär
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Réamonn, Kommunikationssekretär des Reformierten Weltbundes.