Christus Bezeugen in einer ungerechten Welt

Der Exekutivausschuss des Reformierten Weltbundes
tagte im Juni/Juli 1998 in Genf

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Frauenschicksal
Jeden Morgen um vier verlässt Chitalu Mwape mit ihrem Baby Chaba auf dem Rücken ihre Hütte in einem Slumviertel von Lusaka. Sie geht fünf Kilometer, um am Rand einer stark befahrenen Strasse mit einer Eisenstange Steine zu klopfen. Die Steine verkauft sie an reiche Leute, die daraus Häuser bauen oder einfach ihre Zufahrtswege verzieren wollen.
Jeden Abend hat die kleine Chaba vom Steinstaub einen bösen Husten. Aber darum kann sich Chitalu nicht kümmern - sie muss noch andere Kinder ernähren. Ausserdem scheint es, dass Chaba ohnehin sterben wird; sie kränkelt und will nicht zunehmen. Wenn Chitalu Geld hätte, brächte sie ihr Kind ins Krankenhaus. Doch es bleibt ihr nichts übrig, als zu beten und das Beste zu hoffen.

Das ist kein Einzelfall. Die Welt ist voll von Leuten wie Chitalu, gefangen in Hoffnungslosigkeit, einer ausweglosen Lage, die ihre Umwelt entstehen liess, die sie verbessern könnte, aber nicht verbessern wird.

Themen
Vom 26. Juni bis zum 3. Juli traf sich in Genf der neugewählte Exekutivausschuss des Reformierten Weltbundes (RWB). Im vergangenen Jahr hatte in Ungarn die 23. Generalversammlung des RWB - auch angesichts des Schicksals von Frauen wie Chitalu Mwape - die Mitgliedskirchen aufgerufen, sich auf allen Ebenen mehr und mehr in Erkenntnis, Bildung und Bekenntnis gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung zu engagieren. Deshalb haben die Mitglieder des Exekutivausschusses diesem Bekenntnisprozess viel Zeit gewidmet. Er wird ein Arbeitsschwerpunkt des Dachverbandes und seiner Mitgliedskirchen in den nächsten sechs Jahren sein.

Es wurde beschlossen, dass die theologische Abteilung sich auf zwei Hauptthemen konzentriert: "Erneuerung des Glaubens - Theologie und gemeinschaftliches Leben in der reformierten Tradition" und "Evangelium und Kulturen und die Erneuerung der Mission". Eine Auswertung der Beziehungen mit den anderen Weltbünden wird in den nächsten drei Jahren stattfinden.

Die Kirchen reformierter Tradition glauben an die Einheit, aber neigen bekanntlich zur Trennung. Vor zehn Jahren wurde das Projekt "Mission in Einheit" begonnen unter der Obhut des Internationalen Reformierten John-Knox-Zentrums in Genf. Es wurde kräftig unterstützt von der 22. Generalversammlung des Reformierten Weltbundes in Seoul/Korea (1989) und der 23. in Debrecen/Ungarn (1997). Der Exekutivausschuss beschloss, gemeinsam mit dem John-Knox-Zentrum für drei Jahre das nötige Personal zu finanzieren, um die Erkenntnisse der vergangenen zehn Jahre in die Praxis umzusetzen.

Der Exekutivausschuss wird ein kompetentes Team senden, um im Oktober der Synode der Niederländisch Reformierten Kirche in Südafrika beizuwohnen. Die 23. Generalversammlung entschied, die Suspendierung der Mitgliedschaft dieser Kirche im Weltbund aufzuheben, die 1982 wegen der theologischen und praktischen Unterstützung der Apartheid beschlossen worden war - unter der Bedingung, dass die Synode eingestehen würde, Apartheid sei falsch und eine Sünde "nicht nur in ihren Folgen und praktischen Erscheinungsformen, sondern im Grunde und ihrem Wesen nach". Der Weltbund bemüht sich um die Vereinigung seiner südafrikanischen Mitgliedskirchen auf nicht-rassistischer Basis.

Engere Beziehungen zu den Lutheranern wurden signalisiert von Dr. Ishmael Noko, dem Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. "Lutheraner und Reformierte sind zusammen durch dick und dünn gegangen", sagte er vor dem Exekutivausschuss. "Wir haben viele gemeinsame Mitgliedskirchen, und es gibt viele Gebiete, auf denen wir zusammenarbeiten." Noko wies darauf hin, dass er im Oktober gemeinsam mit dem Generalsekretär des Reformierten Weltbundes, Prof. Dr. Milan Opocensky, in Chicago eine Übereinkunft zwischen lutherischen und reformierten Kirchen Nordamerikas mitunterzeichnen werde. Der Lutherische Weltbund setze den Dialog mit den Reformierten auf allen Ebenen fort.

Der Exekutivausschuss wird eine Delegation zum Besuch der Mitgliedskirchen nach Angola senden. Stellungnahmen zu humanitären und menschenrechtlichen Fragen gingen nach Nordkorea, Kolumbien, Indonesien, Mexiko und Rumänien. Die USA wurden in ihrer Haltung unterstützt, dem Volk von Taiwan in seinem Bestreben nach Freiheit und Selbstbestimmung zu helfen. Verurteilt wurde das US-amerikanische Wirtschaftsembargo gegen Kuba mit seinen schlimmen Folgen für die Bewohner der Insel.

Die neugeschaffene Abteilung für die Partnerschaft von Frauen und Männern wird Workshops durchführen im französischsprachigen Afrika, der Karibik, Indonesien und Lateinamerika. Geplant ist, Richtlinien zu den Themen "Inklusive Sprache" und "Sexuelle Belästigung" zu veröffentlichen. Eine Schwerpunktausgabe der Vierteljahresschrift Reformed World wird der Frauenordination gewidmet sein.

Vier neue Kirchen sind in den Reformierten Weltbund aufgenommen worden: die Afrikanische Inland-Kirche (Sudan), die Kongregationalistische Kirche von Indien, die Christliche Reformierte Kirche von Honduras und die Vereinigte Evangelische Kirche von Ekuador. Der Reformierte Weltbund vereinigt damit mehr als 75 Millionen Christen in 214 Kirchen in 105 Ländern.

Das nächste Exekutivausschuss-Treffen findet im Juli 1999 in Taiwan statt.

Personalia
Zwei wichtige Stellen im Reformierten Weltbund werden frei und sind zur Wiederbesetzung ausgeschrieben:

  1. Die Stelle des Sekretärs der Theologischen Abteilung, die in den letzten Jahren der Inder Dr. Henry Wilson innehatte. Er wird im Herbst ausscheiden und in die USA gehen.
  1. Die Stelle des Generalsekretärs, die seit 1989 mit Prof. Dr. Milan Opocensky besetzt ist. Seine Amtszeit läuft im Herbst nächsten Jahres aus. Der Exekutivausschuss hat beschlossen, diese Stelle zum 1. März 2000 neu zu besetzen. Dr. Opocensky ist gebeten worden seine Arbeit noch bis Ende März 2000 fortzuführen.
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Letzter Stand: 21. Oktober 1998

Für weitere Informationen schreiben Sie bitte an Páraic Réamonn, Kommunikationssekretär des Reformierten Weltbundes.