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Accra 2004 |
Eine weltweite Familie von 75 MillionenDas von Gott geschaffene Universum ist groß, die durch das Christentum entstandene Welt dagegen klein. Die Welt der Völker und Nationen ist dynamisch und vielfältig, die Welt des Christentums trotz ihrer vielen Konfessionen und Traditionen wesentlich enger. Der Reformierte Weltbund ist eine Gemeinschaft von mehr als 200 Kirchen mit 75 Millionen Mitgliedern. Wir sind nicht klein, aber verglichen mit der Weltbevölkerung von 6 Milliarden Menschen sind wir eine bescheidene Zahl. Wie können wir eine lebensfrohe Gemeinschaft werden, die trotz aller ihrer Begrenzungen wie der das Mehl treibende Sauerteig (Mt 13,33) die Welt verändert? Diese Frage hat viel mit unserem Selbstverständnis als reformierte Kirchen, als Mitglieder einer christlichen Gemeinschaft und als Teil der Welt der Nationen und Völker zu tun. Younde geht in die StadtIm Lande der Akim, in den Hügeln fernab der Küste Afrikas, lebte einst ein Mann namens Younde. Er war ein einfacher Mann, der noch nie weit weg von Zuhause war. Er hatte oft von der großen, am Meer liegenden Stadt Accra gehört, und von all den wunderbaren Dingen, die dort zu finden waren, aber er hatte die Stadt noch nie gesehen. Eines Tages jedoch musste Younde nach Accra gehen. Er lief auf heißer und staubiger Straße viele Tage lang. Als er nahe der Stadt war, sah er einen kleinen Jungen, der Kühe hütete. Er fragte ihn, "Wem gehören alle diese Tiere?" Aber der Junge verstand Younde nicht, denn Younde sprach Akim, während sie in Accra Ga sprachen. "Minu" antwortete er, was soviel heißt wie "Ich verstehe dich nicht". "Minu!" sagte Younde. "Was für ein reicher Mann er sein muss, um so viele Kühe zu besitzen!" Younde kam auf den Markt und sah, wie die Frauen Dinge verkauften, die es in seinem Dorf nur selten gab. "Wo kommen alle diese Dinge her?" fragte er ein kleines Mädchen. Sie lächelte und antwortete, "Minu." Younde schwieg. Alles war Minu. Minu war überall. Er hielt einen alten Mann an, der eine Trommel unter seinem Arm trug. "So viele Menschen sind gleichzeitig hier!" rief er aus. "Was bringt so viele Leute dazu, nach Accra zu kommen?" "Minu," entgegnete der Alte. Younde war fassungslos. Welchen Einfluss Minu haben musste! Die Menschen kamen nur wegen ihm in großen Scharen nach Accra. Er verließ den Markt und ging zum Strand. Im Wasser lagen viele Fischerboote mit Segeln. "Oh! Wem diese Boote wohl alle gehören?" fragte er den Fischer. "Minu", antwortete der Fischer. Younde war überwältigt. Minu war wirklich ein ganz großer Mann. Ihm gehörte alles. "Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich es nicht gesehen hätte", meinte Younde, "sie sollten Accra ‚Minus Stadt" nennen." Am Rand der Stadt begegnete er einem Beerdigungszug. Er fragte einen der Trauernden: "Wer war der Mensch, der gestorben ist?" Der antwortete traurig, "Minu". "Was! Der große Minu ist tot?" entfuhr es Younde. "Oh, armer Minu! Er starb einfach wie ein ganz gewöhnlicher Mensch!" "Armer Minu!" sagte er immer und immer wieder. "Armer Minu!". (Youndes Geschichte ist ein sehr bekanntes ghanaisches Märchen. Dies ist eine gekürzte Version von "Younde goes to town" aus Best-Loved Folktales of the World, hrsg. von Joanna Cole, Anchor Books, New York, 1983.) Verstehen wir wirklich? (Mk 8,14-21)Als sie in einem Boot auf dem See Genezareth von einem ermüdenden Dienst unter den großen Menschenmengen, die sich um Jesus scharten, heimkehrten, merkten die Jünger, dass sie vergessen hatten, etwas Essbares mitzubringen. Sie hatten nur noch einen Laib Brot und das machte ihnen Sorgen. Jesus sagte zu ihnen, "Warum redet ihr davon, kein Brot zu haben? Versteht ihr eigentlich immer noch nicht? Sind eure Herzen so verhärtet? Habt ihr Augen und seht doch nichts? Habt ihr Ohren und hört nichts? Habt ihr alles vergessen? Als ich die fünf Brote für die fünftausend brach, wie viele Körbe voller Brocken habt ihr da eingesammelt?" Sie antworteten ihm, "Zwölf!" "Und sieben für die viertausend und wieviele Körbe voll Brocken habt ihr dort eingesammelt?" Sie erwiderten, "Sieben". Danach sagte er zu ihnen, "Versteht ihr denn immer noch nicht?" Die Jünger waren überwältigt von der Menge. Sie sahen die Menschenmassen, aber sie verstanden nicht, was diese Menge Jesus bedeutete oder was Jesus für die Menge bedeutete. Sie waren so beschäftigt mit ihrer Aufgabe, Brot auszuteilen und wieder einzusammeln, dass sie nicht verstanden, was da vor sich ging. Das Brot symbolisierte die Fülle der Liebe Gottes, die allen - reichlich und im Überfluss - angeboten wurde. Die Jünger Jesu hörten, was Jesus sagte, und sie sahen, was er tat, aber die meiste Zeit verstanden sie ihn nicht. Auch Younde war dermaßen überwältigt von Accra. Er war so beschäftigt, sich sein eigenes Bild auszumalen von dem, was er sah und hörte, dass er gar nicht merken konnte, dass die Menschen, die er traf, seine Sprache nicht verstanden und er die ihre nicht. Er ging nach Accra als Fremder und er kehrte zurück als Fremder. Sind wir denn besser als die Jünger - besser als Younde? Haben wir je darüber nachgedacht, dass andere Christinnen und Christen vielleicht gar nicht verstehen, welches Selbstverständnis uns als reformierte Kirchen trägt? Haben wir je überlegt, dass Menschen, die keine Christen sind, es vielleicht schwierig finden, unser Ziel zu verstehen, dass wir Liebe, Gerechtigkeit und Frieden in die Gemeinschaft bringen wollen? Übrigens, sind wir, als Mitglieder des Reformierten Weltbundes von so unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft einander etwa weniger fremd in unserer gemeinsamen Suche nach der Fülle des Lebens? Delegierte aus den Kirchen in aller Welt werden nach Accra kommen. Wir werden dort ankommen als Fremde, aber lasst uns dafür sorgen, dass wir nicht als Fremde auseinander gehen, nicht als Fremde unserer ghanaischen Gastgeber, nicht als Fremde der Menschen in Afrika, der Welt oder der Schöpfung Gottes. Möge Gott uns danach auf den Heimweg schicken mit dem Wissen, einander verstanden zu haben und verstanden worden zu sein. Dies meinen wir, wenn wir sagen, dass wir reformiert und ökumenisch als Christinnen und Christen in einer Welt unterschiedlicher Kulturen und Religionen leben wollen. Fragen
GebetGott der Weisheit, erleuchte unsere Sinne, damit wir verstehen, was wir sehen und was wir hören. Erlöse uns von unseren kleinen Sorgen und öffne unseren Geist für die Welt mit all ihren Freuden und Leiden. Befreie uns von unserer Selbstbeschäftigung und öffne unsere Herzen in Liebe und Mitgefühl für unsere Nächsten, für Christen anderer Traditionen, für Menschen anderen Glaubens und für alle Frauen, Männer oder Kinder, mit denen wir die von dir geschaffeneWelt teilen. Dies bitten wir in Jesu Namen. Amen. AutorCS Song kommt aus Taiwan und ist Pfarrer in der Presbyterianischen Kirche in Taiwan. Er ist Theologieprofessor an der Pacific School of Theology und der Graduate Theological Union in den Vereinigten Staaten. Außerdem ist er Präsident des Reformierten Weltbundes.
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