Accra 2004
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Die Fülle des Lebens feiern

Vor mehr als siebzig Jahren taufte die Protestantische Christliche Kirche in Bali (Gereja Kristen Protestan di Bali) am Ufer eines kleinen Flusses acht Kilometer nordwestlich von Denpasar auf der Insel Bali ihre ersten zwölf Mitglieder. Heute hat die Kirche über 8,000 Mitglieder.

Die neuen Konvertiten gaben anfangs ihre balinesischen Bräuche und Traditionen auf. Sie wollten alles hinter sich lassen und hofften, in ihrem neuen Glauben das Glück zu finden. Unter der ersten Generation balinesischer Christen war ein Mann namens Made Rungu. Er wurde der erste Pfarrer auf Bali.

Rungu glaubte, dass er, um Christ sein zu können, alles aufgeben müsse, was zu seinem früheren Leben gehörte. Er befolgte nicht nur den Rat der Missionare, sondern sein eigenes Verständnis der Schrift, das auf Epheser 4, 22-24 gründete: "Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel....und zieht den neuen Menschen an".

Rungu ließ alles hinter sich. Er gab nicht nur seine schlechten Gewohnheiten auf, wie kämpfen und stehlen, sondern auch seine geliebte balinesische Gamelan-Musik. Er veränderte seinen Umgang mit den Menschen und wollte bescheidener sein, denn er war als sehr arroganter Mann bekannt. Auch seinen Kleidungsstil veränderte er und trug fortan europäische statt balinesischer Kleider. Er baute eine Kirche nach europäischen Plänen.

Made Rungu lebte in einer völlig neuen Kultur. Trotz aller Veränderungen sprach und dachte er aber immer noch wie ein Balinese. Ja mehr noch, er fühlte und handelte als Balinese, sodass er sich nach über 25 Jahren seines Lebens als Christ wie ein Fremder auf seiner eigenen Insel vorkam. Darüber war er sehr unglücklich.

Am allermeisten vermisste er die Lieder und Tänze seiner Inselkultur. Er erkundigte sich, ob Christen Gamelan-Musik spielen und traditionelle balinesische Tänze tanzen dürften. Ein befreundeter Missionar wies ihn darauf hin, dass dies nicht nur erlaubt sei, sondern dass selbst im Gottesdienst traditionelle Kulturelemente eingesetzt werden könnten, um das Evangelium zu verkündigen.

Made Rungu fing in den frühen 1960er Jahren an, balinesische Schattenspiele einzusetzen, um mit den Dorfbewohnern, Christen und anderen, zu kommunizieren. Zuerst benutzte er die Puppen, um lokale Geschichten zu erzählen. Später folgten Geschichten mit christlichem Inhalt. So wurden im Laufe der Zeit in der Kirche wieder Gamelan-Melodien gesungen und selbst im Gottesdienst traditionell getanzt.

Die Miteinbeziehung traditioneller Kultur in den Gottesdienst wird heute von der zweiten und dritten Generation balinesischer Christinnen und Christen selbstverständlich bejaht und sogar erwartet. Die Kirchen werden inzwischen nach balinesischer Architektur gebaut. Bei besonderen Anlässen wird das Wort Gottes durch traditionellen Tanz und Musik verkündet. Die Pfarrer tragen traditionelle balinesische Gewänder um die Eucharistie zu feiern. Während der Weihnachts- und Osterzeit werden die Häuser christlicher Familien mit balinesischen Dekorationen geschmückt.

Die Fülle des Lebens in Christus findet nicht nur in der Verkündigung des Evangeliums ihren Ausdruck, sondern auch durch den Reichtum der balinesischen Kultur, selbst im Gottesdienst.

Lasst Trompeten und Hörner erschallen (1Chr 15,16-16,6)

Als die Bundeslade vom Haus Obed-Edoms nach Jerusalem gebracht wurde, tanzte David und freute sich, während ganz Israel mit ihm vor Gott herzog "mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten".

Der erste Versuch, die Bundeslade nach Jerusalem zu bringen misslang, weil Usa nicht sorgfältig mit ihr umgegangen war. Dies erzürnte den Herrn so sehr, dass Usa sterben musste. (1Chr 13,10). David fürchtete sich so sehr vor Gott, dass er die Lade in das Haus Obed-Edoms brachte, wo sie drei Monate blieb.Erst als die Lade, wie Mose nach dem Wort des Herrn geboten hatte, ordnungsgemäß getragen wurde, konnte David sie sicher nach Jerusalem bringen (1Chr 15,13-15).

Es war ein großes Freuden- und Opferfest. David befahl den Musikern nicht zu singen und zu tanzen, um sich selbst einen Gefallen zu tun. Er wusste viel mehr, wie hart die Reise gewesen war. Es gefiel auch keineswegs allen, König David so fröhlich tanzen zu sehen. Aber Gott hatte seine Freude daran.

Es reicht nicht aus, Gott nur mit dem Geist und in der Seele anzubeten. Wenn es so wäre, könnten wir auch zuhause bleiben, denn dann bräuchten wir nicht mit anderen Menschen Gottesdienst feiern, in die Kirche zu gehen oder aus dem Gottesdienst eine Feier des Lebens und des Glaubens zu machen.

Obwohl die Bibel, vor allem im Alten Testament, von vielen Handlungen und Symbolen spricht, die zur Gottesverehrung dienen, so kann es doch niemals ausreichen, Gott allein in Handlungen und Symbolen anzubeten. Wir sind gerufen, Gott mit unserem ganzen Wesen und Sein, mit allem was unser Leben ausmacht, die Ehre zu geben.

Die Schrift lehrt uns, dass der Gottesdienst im "alltäglichen" Handeln und nicht so sehr in "religiösen" Handlungen seinen Ausdruck finden sollte. "Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! (Jes 58,6-7). Und mehr noch, "ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten." (Jak 1,27).

Fragen

  1. Entspricht es dem Willen Gottes, die Gegenwart unseres Herrn gemäß unserer Kultur mit traditionellen Instrumenten, Melodien und Tänzen, mit traditionellen Dekorationen und einheimischer Architektur und in Übereinstimmung mit dem täglichen Leben unserer Gesellschaft zu feiern?
  2. Gibt es Risiken, die wir beachten sollten, wenn wir im Gottesdienst Elemente traditioneller Kultur verwenden?
  3. Gibt es Elemente in Ihrer Kultur, die im Widerspruch stehen zu der Aufforderung, das Evangelium weiterzusagen und Gott anzubeten?
  4. Welche Kriterien legen Sie an, um beurteilen zu können, ob ein Gottesdienst heilig ist und von Gott angenommen werden kann?

Gebet

Gott der ganzen Schöpfung, wir preisen deinen Namen, denn du bist allmächtig und heilig. Du hast uns in deiner Barmherzigkeit aus dem Schatten des Todes herausgeholt und neues Leben geschenkt. Du, Gott der Liebe, der du uns aus vielen Kulturen und vielerlei Herkunft zusammengeführt hast, vereine uns in dem einen Leib Christi, damit wir in Harmonie zusammenleben können. Hilf uns, niemanden zu entmutigen, sondern mutige Werkzeuge des Friedens zu werden. Schenke uns deine Weisheit, damit wir mit allen Menschen und mit deiner ganzen Schöpfung in Frieden leben, damit alle Leben in Fülle haben.

Dies bitten wir im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.

Autor

Ketut Waspada kommt aus Indonesien und ist Pfarrer in der Protestantischen Christlichen Kirche in Bali. Als früherer Bischof seiner Kirche in Bali dient er nun einer Gemeinde in Kuta.

 

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