Accra 2004
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Leben im Schatten von Giganten

Wenn Sie je in die Karibik kommen, werden Sie dort unseren higglers und hucksters begegnen. Wer sind diese Leute? Nun, sie sind unabhängige Geschäftsleute - Straßenverkäufer und Händler, die Teil der karibischen Wirtschaft sind. Viele von ihnen gehen auf die größeren Inseln, wie Jamaika, um ihre Produkte auf dem dortigen Markt zu verkaufen. Dies ist ein Kennzeichen unserer Volkswirtschaft.

Die Karibik wurde jahrhundertelang von Franzosen, Spaniern, Holländern und Engländern beherrscht. Das koloniale System hat dem Leben in der Karibik viele politische, wirtschaftliche und soziale Stempel aufgedrückt. Und es hat ein Vermächtnis hinterlassen, vor allem das, dass wir heute arme Länder sind.

Die Karibik ist eine äußerst vielseitige Region; wenn man jedoch die Volkswirtschaften betrachtet, dann gibt es viele gemeinsame Merkmale. Die meisten Inseln sind auf die Produktion von elementaren Gütern wie Zucker, Bananen, Kaffee, Kokosnüsse oder Zigarren angewiesen. Gleichzeitig importieren wir Fertigwaren wie Autos, Benzin oder andere Güter. Im Laufe der Zeit hat dieses Ungleichgewicht von Exporteinnahmen und Importausgaben einen Schuldenberg geschaffen, den wir nicht zurückzahlen können.

Die karibischen Länder stehen im Wettbewerb mit anderen Ländern, die dieselben Exportgüter haben. Deshalb muss die Qualität der karibischen Produkte so gut sein, dass sie auf dem offenen Markt konkurrieren kann.

Um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, haben sich viele karibische Inseln dem Tourismus zugewandt. Viele der im Tourismussektor arbeitenden Menschen verdienen aber nicht genug, um ihre Familien zu ernähren. Lediglich die Investoren, die in der Regel aus dem Ausland kommen, profitieren vom Tourismus. Leider hat die Tourismusindustrie auch negative Nebenwirkungen, wie den zunehmenden Drogenkonsum und vermehrte Prostitution.

Auch für Kuba, das sich als Teil der Karibik versteht, ist dies eine Realität. Obwohl Kuba viele Jahre lang ein anderes soziales und politisches System entwickelte, stehen die Kubaner seit der Expansion der Tourismusindustrie in den 1990er Jahren und der Einführung eines doppelten Währungssystems - kubanischen Pesos und US Dollars - vor neuen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Auch wenn wir die vielen Touristen jedes Jahr willkommen heißen, sehen wir, welche Auswirkungen dieser ausländische Einfluss auf die Mentalität und das Verhalten eines Großteils unserer Bevölkerung hat. Viele junge Leute haben den Kontakt zu den traditionellen kulturellen Werten verloren und ahmen lieber den Lebensstil nach, den die Tourismusindustrie populär gemacht hat.

Obwohl viele Länder in der Region politische Unabhängigkeit erreicht haben, ist die Karibik für ihre wirtschaftliche Entwicklung immer noch auf Kräfte von außen angewiesen.

David und der Riese (1Sam 17,48-51)

Oft klassifizieren wir biblische Geschichten je nach Eignung für Kinder oder für Erwachsene. Dies ist beispielsweise eine Geschichte, die man eher im Kindergottesdienst erzählen würde. Wie oft aber nehmen sich Erwachsene noch die Geschichte von David und Goliat vor?

Die Geschichte beschreibt einen Kampf um Macht, Stärke und Intelligenz, also eine der vielen schwierigen Situationen, mit denen Israel zu König Sauls Zeiten zu kämpfen hatte. Es ist eine gegensätzliche Geschichte, die vom Mut des jungen David gegenüber der Kampferfahrung des Riesen Goliat handelt.

In unserer heutigen Welt sind wir ständig mit dem Kampf zwischen Mächten konfrontiert.. Mächtige Länder und Institutionen übernehmen die Kontrolle über die, die schwach sind. Einflussreiche Menschen beherrschen die, die keine Macht haben oder von anderen abhängig sind. Manchmal erleben wir sogar in Familien oder anderen Beziehungen den Kampf um Macht.

Viele Menschen in der Karibik sehen sich selbst als David, der dem Goliat der internationalen Wirtschaftskonzerne gegenübersteht, die Bankdarlehen und Kredite gewähren und die Preise für den Export und Import von Waren festlegen. Diese Institutionen sind zu einer beherrschenden Kraft geworden, die das Wirtschaftssystem vieler Inseln kontrolliert und von der wir abhängig sind.

Auch wenn wir für unsere heitere, fröhliche Musik und unseren ansteckenden Rhythmus bekannt sind, kommen darin doch auch manchmal unsere Sorgen zum Ausdruck oder wir versuchen dadurch, unsere Traurigkeit in Glück zu verwandeln. Unsere Inseln sind klein und noch immer sind wir täglich konfrontiert mit den Folgen der Kolonisation und den damit verbundenen schrecklichen Leiden der Versklavung, versuchen aber jetzt, unabhängige Länder aufzubauen. Als Christenmenschen bitten wir Gott, uns die Stärke und Weisheit zu schenken, mit dieser Herausforderung umgehen zu können.

1. Auf, singt das Lied, das Umsturz preist,
das Gott allein den Größten nennt.
Sing wie Maria sang von dem,
der falscher Macht den Kampf ansagt.

2. Auf, singt von dem, der tief besorgt
die Last der Unterdrückten trägt,
der aus der Bahn die Stolzen wirft
und Größenwahn vom Platz verweist.

3. Er setzt die Armen obenan,
und er versorgt mit Brot und Trank
die hungrig sind und ohne Lohn.
Besitzer lässt er leer ausgehn.

4. Zum Umsturz ruft er und zum Kampf,
Ihm nach für Menschentum und Recht.
Wo Volk sich drängt und Elend herrscht,
zeigt, was es heißt: Nur Gott ist groß!

Aus Thuma Mina Lied Nr. 263.
Melodie aus Jamaica: Doreen Potter
Originaltext: Fred Kaan
Deutsche Übersetzung Dieter Trautwein

Fragen

  1. Was können wir im Kampf zwischen Mächten von David lernen?
  2. Wie übernehmen wir Verantwortung in den täglichen Überlebenskämpfen unserer Bevölkerung?
  3. Können wir unsere Brüder und Schwestern in anderen Teilen der Welt sensibel machen, damit sie die bestehenden Missverhältnisse in unserer Welt erkennen?
  4. Wie verteidigen wir uns selbst gegenüber gigantischen Wirtschaftstrukturen?

Gebet

Gott, unser Schöpfer und Erhalter, wir kommen zu dir mit der Bitte um Weisheit, damit wir die täglichen Lasten in unseren verschiedenen Ländern tragen können.

Gib, dass wir als Kirche für die Menschen um uns herum zum Sprachrohr werden und befähige uns, aktiv am sozialen Wandel mitzuwirken.

Schenke uns Kraft und Mut, die uns umgebenden Strukturen der großen Wirtschaftsmächte zu verändern.

Lass uns für soziale Gerechtigkeit eintreten und hier und jetzt für dein Reich kämpfen.

Segne uns und sei jeden Tag mit uns in unseren Sorgen, unseren Tänzen, unserer Musik.

Und hör nicht auf, uns an die Sorge für deine Schöpfung, unseren größten Schatz, zu erinnern. Dies bitten wir in Jesu Namen. Amen.

Autorin

Suecia Méndez lebt in Kuba und ist Mitglied der Presbyterianisch-Reformierten Kirche in Kuba. Sie ist Herausgeberin des Ökumenischen Nachrichtendienstes in Kuba und Vizemoderatorin des Presbyteriums von Havanna.

 

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