Accra 2004
Reformierter Weltbund

logo

 

Zehn Ozeane überqueren

Einführung

Auf dass alle Leben in Fülle haben

Christlicher Glaube in einer pluralistischen Gesellschaft

Hoffnung auf Frieden inmitten von Gewalte

Das Leben steht auf dem Spiel

Ich war blind, aber nun sehe ich

Eine Kirche ohne Mauern

Reformierte Kirchen in der Mission vereint

Frauen und Männer erneuern die Kirche

Wessen Hilfe steht im Namen des Herrn?

Sabbatruhe für die ganze Schöpfung

Calvin und die Armen

Leben im Schatten von Giganten

Das Leben in Fülle feiern

Eine weltweite Familie von 75 Millionen

Accra 2004
Startseite
Kontakt
 

Sabbatruhe für die ganze Schöpfung

1984 nahm die Ok Tedi Goldmine in Papua Neu Guinea (PNG) ihren Betrieb auf und lieferte dadurch der Regierung die dringend benötigten Devisen für Basisgesundheitsdienste und Bildungseinrichtungen.

Die Bergbaugesellschaft, Ok Tedi Mining Limited (OTML) teilte mit, sie würde die normalen Abfallentsorgungsmethoden anwenden, d. h. eine Abraumhalde und ein umdeichtes Rückhaltebecken vorsehen. Sie ließ aber außer acht, dass hohe Regenmengen und Steilhänge dies unmöglich machten und ignorierte wissenschaftlichen Rat.

Als diese Methoden der Abfallentsorgung scheiterten, suchten sie nach anderen Wegen. Mit Zustimmung der Regierung entsorgte die Gesellschaft nun ihren Abfall im Fly River-System - 80,000 Tonnen pro Tag. Diese Minenrückstände verunreinigten das Flusssystem mit Schlamm und Giftstoffen. Fische trieben tot im Wasser, Wasserpflanzen gingen ein und Wälder starben. Der Fluss und die Sagowälder waren aber Nahrungsquellen.

Inzwischen ist das Gleichgewicht zwischen der lokalen Bevölkerung und ihrer Umwelt zerstört. Einiges von diesem Giftmüll gelangt möglicherweise bis nach Australien und dem Great Barrier Reef.

Als die Mine eingerichtet wurde, konnten die Menschen, die in der Nähe wohnten, ihr Land verkaufen. Als dann aber die Abfälle in den Fluss gekippt wurden, waren auch Land und Menschen flussabwärts betroffen. Die Schäden setzten sich fort bis zum Meer, aber diese Menschen wurden nicht konsultiert.

OTLM versuchte zunächst, den Schaden zu beheben. Nachdem dies nicht möglich war, bezahlten sie den Gemeinschaften entlang des Flusses Entschädigungen, die aber die Umwelt oder die Lebensgrundlagen der Menschen nicht ersetzen konnten.

OTLM hatte einen mächtigen Partner, die BHP, eine australische Gesellschaft, die von ihrer Regierung die legale Zusicherung hat, nicht schadenersatzpflichtig zu sein. Dies hindert Landeigentümer daran, ihr Recht vor Gericht zu erkämpfen. BHP muss den verursachten Schaden nicht wiedergutmachen. Aber BHP behauptet natürlich, umweltbewusst und verantwortlich zu handeln.

Das Wohl der Umwelt ist ein lokales und ein globales Thema. Hier liegt ein Fall vor, in dem die globale Wirtschaft verheerende Auswirkungen hat auf die lokale Umwelt, sowie die Gemeinschaften und die Wirtschaft vor Ort.

Diese Geschichte kann in unterschiedlichen Auswirkungen überall im pazifischen Raum vorkommen. Die Menschen müssen Handel und "Entwicklung" hinterfragen, die ihrer Umwelt und ihren Gemeinschaften Schaden zufügen.

Gemeinschaften können sich zusammentun, um der Umweltzerstörung Einhalt zu gebieten. So ist die Geschichte der Ok Tedi Mine von einer Gemeinschaftsorganisation, dem Institut für Rohstoffpolitik (Mineral Policy Institute) öffentlich gemacht worden.

(Quellen: BHP BHP and Ok Tedi Discussion Paper August 1999; BHP and Ok Tedi Limited, Video Restoring the Balance; Mineral Policy Institute http://www.mpi.org.au/).

Gerechtigkeit, Erholung und Erneuerung der Schöpfung

Im 1. Mosebuch wird erzählt, wie Gott mit großer Liebe und Sorgfalt Schritt für Schritt die Erde und ihr Lebensnetz schafft. Es ist Gottes Design, Gottes Handarbeit, Gottes Meisterstück. Jedes Teil hat seinen Platz und jedes Geschöpf ist gut.

Gott vertraut der Menschheit die Sorge für die Erde und alle Geschöpfe an. Wir leben in ihr und wir haben Macht über sie. Gott gibt sie uns, damit wir gedeihen können. Die Frage ist nur: wie nutzen wir unsere Macht? Versorgen wir die Erde wie einen Garten, an dem wir uns wie an einem Geschenk freuen? Oder trampeln wir auf ihr herum wie ein gewaltsamer Herrscher, der selbstsüchtig Macht an sich reißt?

Gott ruhte am siebten Tag. Der Sabbat als Ruhetag ist sowohl Gebot als auch Geschenk und deshalb in einem der zehn Gebote verankert (2Mo,20). Er gilt allen Geschöpfen: der Familie, den Fremden und den Tieren. Er kommt auch im Erlass- oder Jubeljahr zum Ausdruck, wenn den Feldern eine Ruhepause gegönnt wird. Gott hat uns nicht nur um unserer Geschäfte willen, sondern auch um der Ruhe willen geschaffen.

In Jesaja 58 bedeutet die Sabbatruhe, unsere persönlichen und geschäftlichen Interessen loszulassen. Sie handelt von der Freude am Gottesdienst und dem Tun des Gerechten. Sabbatruhe hat damit zu tun, dass wir uns als Teil der Schöpfung und nicht getrennt von ihr verstehen. Wenn der Psalmist im 104. Psalm mit den Hügeln, den Bäumen, den Fischen des Meeres und den Vögeln in der Luft frohlockt, dann wird diese Idee der Sabbatruhe ausgelebt.

Im großen Dankgebet des Abendmahlsgottesdienstes, stimmen Liturg und Gemeinde traditionell gemeinsam "mit der ganzen Schöpfung" in den Lobpreis Gottes ein mit dem "Heilig,heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, Himmel und Erde sind seiner Ehre voll". In diesem Augenblick besteht die Gemeinde der Gläubigen nicht nur aus den anwesenden Menschen, sondern die ganze Schöpfung ist eingeschlossen, erfreut sich der Ruhe und preist ihren Schöpfer.

In einer Welt, in der so weite Bereiche von Gottes Schöpfung beschädigt und zerstört sind, fordert Gott uns auf, an unsere Einheit mit allen Lebewesen zu denken und für ihren Schutz zu arbeiten.

Umweltbedrohungen im pazifischen Raum

Australien, Aotearoa Neuseeland

Bodenerosion
Bodenversalzung
Verschlechterung inländischer Gewässer und Meere
Abnahme der Feuchtgebiete
Verwüstung
Abnahme der Fischbestände
Verlust der Artenvielfalt

Papua Neu Guinea, Solomon Inseln, Neukaledonien, Vanuatu, Fiji

Entwaldung
Verschlechterung der Böden
Bodenerosion
Verlust der Artenvielfalt
Verschlechterung des Wassers
Begrenzter Zugang zu Trinkwasser
Abnahme der Küstenfischerei
Klimawandel

Tonga, Samoa, Amerikanisch Samoa, Franz. Polynesien, Palau, Guam, Nördliche Marianen

Entwaldung
Bodenerosion,
Verlust der Artenvielfalt
Abnahme der Küstenfischerei
Verschlechterung der inländischen Gewässer und Meere

Cook Inseln, Kiribati, Tuvalu, Mikronesien, Marshall Inseln, Niue, Nauru

Verletzlichkeit gegenüber Naturkatastrophen
Klimawandel
Wasserverschlechterung
Begrenzter Zugang zu Trinkwasser
Erosion der Küste

Quelle: Übernommen von United Nations Economic and Social Commission State of the Environment: Asia and the Pacific.

Fragen

  1. Was geschieht mit der Umwelt in Ihrem Gebiet? Wie beeinflusst tägliches Handeln
    • die Erosion?
    • die Verschmutzung von Luft, Wasserversorgung oder Meeren?
    • die Zerstörung der Wälder in Ihrer Nähe oder in einem anderen Land?
    • die Treibhausgasemissionen?
    • die Gefährdung von Vögeln, Fischen, Tieren oder Pflanzen?
    • andere Schäden?
  2. Was bedeutet es in Ihrem Kontext, wenn der ganzen Schöpfung die Sabbatruhe verheißen wird?
  3. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie der Prophet, der Jesaja 58 geschrieben hat, die heutige Ungerechtigkeit gegenüber der Umwelt sehen würde. Was würde er sagen?
  4. Was kann Ihre Kirche tun, um die Ungerechtigkeit gegenüber der Schöpfung zu bekämpfen?

Gebet

Gnädiger Gott, wir danken dir für deine überwältigende Liebe.
Wir freuen uns an den Wundern deiner Welt.
Mit allen Lebewesen wollen wir dir lobsingen.
Aber dies ist nicht leicht.
Wir hören die Klagen ausgerotteter Arten,
deren Blut aus der Erde schreit,
und von gefährdeten Arten, die unseren Schutz brauchen.
Wir hören die Schreie von Mangroven, Wäldern und sterbenden Flüssen,
und schauen voller Schrecken zu, wie die Erde verwüstet wird und erodiert.
Wir beten für Regierungen und Konzerne,
für Gemeinschaften und für unsere Gemeinde,
dass alle deine Weisheit und Sorge für die Erde erkennen
und von der Gier ablassen, das Lebensnetz zu zerstören. Amen.

Autorin

Ann Wansbrough lebt in Australien. Sie ist Pfarrerin in der Vereinigenden Kirche von Australien und hat Abschlüsse in Biologie und Theologie. Sie arbeitet für UnitingCare NSW.ACT, eine Einrichtung der Vereinigenden Kirche für soziale Gerechtigkeit.

 

UP

 

human1human2human3human4human5human6human7human8human9human10