Accra 2004
Reformierter Weltbund

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Zehn Ozeane überqueren

Einführung

Auf dass alle Leben in Fülle haben

Christlicher Glaube in einer pluralistischen Gesellschaft

Hoffnung auf Frieden inmitten von Gewalte

Das Leben steht auf dem Spiel

Ich war blind, aber nun sehe ich

Eine Kirche ohne Mauern

Reformierte Kirchen in der Mission vereint

Frauen und Männer erneuern die Kirche

Wessen Hilfe steht im Namen des Herrn?

Sabbatruhe für die ganze Schöpfung

Calvin und die Armen

Leben im Schatten von Giganten

Das Leben in Fülle feiern

Eine weltweite Familie von 75 Millionen

Accra 2004
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Wessen Hilfe steht im Namen des Herrn?

Der reiche Mann in seinem Schloss

"Kürzlich öffnete ich einen Umschlag, der meinen regelmäßigen Kontoauszug über meine Pensionsbezüge enthielt. Ich wurde informiert, dass ich für meine Entscheidung, meine Gelder in Aktien anzulegen, bei den letzten Spekulationen reichlich belohnt wurde.

Hier stand ich nun und feierte meine Gewinne, während ich gleichzeitig noch an einem Buchmanuskript arbeitete, das sich mit Geldgier auseinandersetzte! Ich hätte argumentieren können, dass ich mein Geld in Wertpapieren von Gesellschaften anlege, die ich wegen ihrer sozialen Verantwortung ausgewählt hatte, denn das könnte doch vermutlich einen guten Eindruck machen.

Ich kann auch darauf verweisen, dass meine Anteile eher geringfügig sind, gegenüber denen anderer Leute; mein Wertpapierbesitz ist sowieso nicht der eines Reichen. (Diese Behauptung vor mehr als Zwei Dritteln der Weltbevölkerung auszusprechen, würde ich allerdings nicht wagen). Ich könnte, wenn das helfen würde, auch noch über meine Spenden reden.

Aber selbst wenn es mir gelänge, mich selbst als einen großzügigen Menschen mit bescheidenen Mitteln darzustellen, bliebe doch die Tatsache bestehen, dass ich voll an unserem Wirtschaftssystem teilhabe und deshalb auch dafür mitverantwortlich bin, wie es funktioniert.

Ich kann mich dem Zugriff seiner oft verwirrenden und ärgerlichen Entscheidungen oder seiner himmelschreienden Ungleichheiten nicht entziehen und bin deshalb gezwungen, damit so verantwortlich wie möglich umzugehen. Und auch aus der Verwicklung in ethische Fragen des Wirtschaftslebens kann ich mich nicht einfach heraushalten, indem ich sage, so sei nun mal das Leben in einer sündigen Welt."

Quelle: James M. Childs Jr, Greed, Economics and Ethics in Conflict (Minneapolis: Augsburg Fortress Press, 2000) S. 126 f.

Der arme Mann am Tor (Psalm 146)

"Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat". Diese Worte aus dem 146. Psalm, V.5 f., werden in reformierten Kirchen oft als Eingangsvotum im Gottesdienst gesprochen.

Wir wissen aber nicht immer, woher diese Worte kommen, und uns ist nicht immer bewusst, dass sie uns zu einer biblischen Position über eine entscheidende öffentliche Debatte hinführen. Zu der uralten Frage nämlich über das Schicksal der Armen in der Wirtschaftsordnung. Wir wollen deshalb dieses Gottesdienstvotum in seinem biblischen Kontext lesen.

Es sind die Hungrigen und die Unterdrückten, sagt der Psalm, denen Gott Recht schafft, (V.7). Die erste haushaltspolitische Ankündigung in unserer Gottesdienstordnung hat mit ihrem Schicksal zu tun. Dies unterscheidet sich allerdings maßgeblich von jeder Wirtschaftsnachricht in den Zeitungen. Das biblische Fundament am Anfang unseres Gottesdienstes ist also die Bekräftigung, dass Gott im Gesamthaushalt die wichtigste Rolle zukommt. Gott "schafft den Armen Recht". Auch unsere alltägliche Erfahrung ist eine ganz andere, weil das Vertrauen auf den Markt als wichtigste Bestätigung unseres wirtschaftlichen Wohls gesehen wird.

Die erste Glaubensaussage in unserem Gottesdienst betrifft also nicht den Markt, sondern Gott. Sie ist eine Zusage im "Namen Gottes".

Gottes Name können wir erkennen in Gottes Schöpfungshandeln und im Wirken, Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Psalm 146 bestätigt diese Lehre noch einmal. Wenn du den Gott kennenlernen willst, von dem die Gottesdienstgemeinde "Hilfe" erwartet, dann schau auf die Taten Gottes.

Die anderen Verse des Psalms, die im Gottesdienstvotum oft einfach weggelassen werden, sagen alles darüber aus, wie dieser Gott sich zu erkennen gibt. Nehmt euch Zeit, um ihn sorgfältig zu lesen. Der Schöpfer des "Himmels und der Erden" (V.6) ist ein Gott, der Recht schafft (V.7a), der die Hungrigen speist (V.7b), der die Gefangenen frei macht (V.7c), der die durch Armut noch verschlimmerten Krankheiten heilt (V.8), der die Fremdlinge behütet, die illegalen Ausländer, die so oft der Feindschaft unserer Gesellschaften ausgesetzt sind (V.9) und der die Witwen und Waisen erhält (V.9). Der Gott unserer öffentlichen Gottesdienste ist ein Gott mit unmodernen Voreingenommenheiten.

Der Psalmist aber dreht die Sache um und weist darauf hin, dass dieser so unmoderne Gott Himmel und Erde gemacht hat. Lange vor allen menschlichen Ansprüchen auf Eigentum und andere Wirtschaftsgüter hat Gott seinen Anspruch auf die ganze Schöpfung geltend gemacht. Und dies ist der fundamentalste Anspruch, auf dem die Wirtschaft ruht: Gott schuf Himmel und Erde. Von diesem Anspruch lässt sich alles ableiten, was Jesus über das Reich Gottes lehrte. Der Psalmist bekräftigt eine Position, die Jesus dann fortgeführt hat: Das Reich Gottes ist schon unter euch.

Für die Heilung aller Völker
bitten wir mit einem Mund
um gerechtes, gleiches Teilen
auf dem gleichen Erdenrund.
Hilf, dass wir in tät'ger Liebe
Wuchern mit dem eignen Pfund.

Alles, was das Leben tötet,
stelle unter deinen Bann:
Stolz auf Stellung, Farbe, Klasse,
Lehren gegen deinen Plan.
Noch im Kampf für das, was recht ist,
seh'n wir Leben heilig an.

Erster und dritter Vers eines bekannten englischen Kirchenliedes. Originaltext von Fred Kaan. Deutsche Übersetzung von Dieter Trautwein.

Fragen

  1. Wie können wir in der heutigen Welt wirtschaftlicher Globalisierung Zeugnis ablegen von der Treue Gottes zu Gottes ganzer Schöpfung?
  2. Ist die jetzige Wirtschaftsordnung ein Ausdruck von Gottes Treue?
  3. Gibt es Alternativen, in denen die bekundete Treue Gottes besser zum Ausdruck kommt?

Gebet

Liebender Gott, hilf uns, an die zu denken, die wir so leicht vergessen, wenn wir deinen überreichen Segen in unserem eigenen Leben erfahren. Lehre uns teilen und solidarisch sein und die Menschen lieben und umsorgen, die in unserer Welt ausgeschlossen sind. Lehre uns, deine Welt zu lieben, wie du sie liebst. Amen.

Autor

H. Russel Botman stammt aus Südafrika und ist Mitglied der Vereinigenden Reformierten Kirche im Südlichen Afrika. Er ist Professor für Missionswissenschaften an der Universität in Stellenbosch, Südafrika. Außerdem ist er Berater für den Bund für Gerechtigkeit in Wirtschaft und Umwelt des RWB.

 

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