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Accra 2004 |
Frauen und Männer erneuern die KircheLilia war eine pflichtbewusste, hart arbeitende Pfarrfrau. Als ihr Mann, Noel, noch im Seminar war, hatte sie mit ihm zusammen theologische Vorlesungen belegt. Jetzt hielt sie die Sonntagsschule und war aktiv in der Frauengruppe. Außerdem lehrte sie an einer kirchlichen Grundschule und hatte dort die Schulleitung. Lilia bemühte sich, ihren Mann in seinem Amt an der Vierten Presbyterianischen Kirche in Barranquilla, Kolumbien, so gut sie nur irgend konnte, zu unterstützen. Weder Lilia, noch irgendein anderes Mitglied der Presbyterianischen Kirche von Kolumbien, kam aber je auf die Idee, dass sie selbst auch Pfarrerrin sein könnte, denn bisher war noch nie eine Frau ordiniert worden. Zwar hatte sich niemand aktiv gegen die Ordination gewehrt, aber es gab auch keine Frauen, die ordiniert werden wollten. Es gab aber auch nur sehr wenige Pfarrer, sodass Noels plötzlicher Tod nicht nur seine Gemeinde, sondern auch seinen Kirchengemeinderat in eine Krise stürzte. Wo sollten sie einen Pfarrer finden, der Noel ersetzen konnte? Nach der Beerdigung trat Lilia auf den Plan. Inmitten ihrer eigenen Trauer spürte sie eine Verantwortung für die Gemeinde. Als bei einer Gemeindeversammlung über eine Vertretung von Noel beraten wurde, fragten einige der Kirchenältesten "Warum nicht Lilia?" Der Kirchengemeinderat war offen für diesen Vorschlag. Das Gesuch wurde gestellt und eine spezielle Ordinierungsprüfung vorbereitet, die nicht nur Lilias theologische Studien, sondern auch ihre langjährige Erfahrung an der Seite ihres Mannes mit berücksichtigte. So wurde Lilia die erste ordinierte Pfarrerin in Kolumbien. Die Vierte Presbyterianische Kirche war schon immer sehr aktiv und doch waren die Mitglieder (und der Kirchengemeinderat) erstaunt, mit welcher Dynamik Lilia die Gemeinde leitete. An den Rändern der Stadt und selbst in den Dörfern um Barranquilla entstanden neue Gemeinden, die nun 25 Jahre später immer noch stark und lebendig sind. Lilia ist inzwischen im Ruhestand, aber ihre Ordination und ihre Leitungsqualitäten öffneten vielen weiteren Pfarrerinnen und Kirchenleiterinnen in Kolumbien die Tür. "Sie hat mich inspiriert", sagt Julia, ein Mitglied der Vierten Presbyterianischen Kirche, die Theologie studiert und in Lilias Fußstapfen treten möchte. Am Ufer des Flusses (2Mo 1,1-2,10)Das Buch Exodus erzählt die Geschichte der Kinder Israels in Ägypten aus zwei verschiedenen Perspektiven. Zuerst treffen wir den Pharao. Seine Dynastie ist noch jung (er "wusste nichts von Josef") und er weiß, dass er nicht mit der Unterstützung der Bevölkerung rechnen kann; er fürchtet wirklich, seine Untertanen könnten zum Feind überlaufen, um ihn vom Thron zu stürzen. Mit seinem ersten Plan versucht er, sie noch schwerer arbeiten zu lassen, damit ihnen keine Zeit bliebe, sich gegen ihn zu verschwören. Nach einer anfänglichen "Neustrukturierung" seiner Arbeitskräfte ist der Pharao jedoch überrascht, noch stärkere Opposition zu spüren. Deshalb ordnet er in einem nächsten Schritt an, alle neugeborenen männlichen Säuglinge zu töten. Hier nun setzt sich die Geschichte in bestechender Ironie fort. Ein Frauennetzwerk, das für ein gemeinsames Ziel zusammenarbeitet, ist nicht bereit, seiner Zielsetzung zu folgen. Das Netzwerk beginnt seine Arbeit mit den gottesfürchtigen Hebammen, die sich Pharaos Anordnungen widersetzen. Ihre Treue wird von Gott wahrgenommen und belohnt. Erneut frustriert setzt der Pharao zu einem drastischen Schritt an - alle männlichen Säuglinge sollen in den Fluss geworfen werden. Die Mutter eines dieser bedrohten Kinder bastelt ein wasserdichtes Körbchen. Genau genommen hat sie der Anordnung Folge geleistet - denn das Baby ist im Fluss - aber ihre Kreativität hat seine Chancen erhöht, am Leben zu bleiben. Eine ältere Schwester versteckt sich in der Nähe und beobachtet, was ihrem kleinen Bruder geschehen wird. Dann aber werden die königlichen Hausangestellten, und schließlich sogar die eigene Tochter des Pharao in das Netzwerk mit hineingezogen, als sie das Körbchen am Ufer des Flusses entdecken. Obwohl sie sich der Herkunft des Babies bewusst sind und die Anordnung des Pharao kennen, retten sie das Leben des Kindes und nehmen auf Anraten der Schwester die eigene Mutter des Säuglings in Dienst, damit sie für das Kind sorgen kann. Dieses informelle Netzwerk kennt kein Hierarchie. Ihm gehören Frauen ganz unterschiedlicher Altersgruppen, gesellschaftlicher Schichten und ethnischer Gruppen an. Männer werden nicht zurückgewiesen. Das ganze kooperative Bemühen ist einzig und allein darauf ausgerichtet, das Leben eines kleinen Jungen zu retten. Die Befreiung dieses Kindes durch die Frauen hat eine Parallele in der späteren Befreiung der Sklaven, die von Gott unter Führung des inzwischen erwachsenen Mannes Mose in die Freiheit geführt wurden. Fragen
GebetDu, Gott des Lebens und der Lebenschancen, wir danken dir für die Frauen und Männer, die dem Ruf in deinen Dienst Folge leisten, für die vielen Gaben, die du ihnen geschenkt hast und für die Ehre, zusammenarbeiten zu dürfen, um das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen. Wir beten vor allem für die Frauen, die vor verschlossenen Türen stehen und begrenzte Chancen haben. Lass sie in kreativer Weise neue Wege finden, um liebevoll deinem Ruf zu folgen. Schenke uns Visionen, die Gaben unserer Schwestern in Christus zu sehen, alte Strukturen zu überwinden und missionarische Gemeinschaften zu bilden, die durch die Talente aller bereichert werden. Wir beten für das Herzeleid in aller Welt, für die Frauen, die missbraucht und unterdrückt werden, die allein, obdachlos oder in Armut leben und sich Sorgen über ihre Zukunft oder die Zukunft ihrer Kinder machen. Hilf uns, damit wir ihnen deine Liebe zeigen und deine Hoffnung schenken können. Amen. AutorinAlice Winters, Mitglied der Presbyterianischen Kirche (USA), lebt in Kolumbien, wo sie die Presbyterianische Kirche von Kolumbien in Kirchenentwicklung und theologischer Ausbildung unterstützt. Sie ist Dekanin der School of Theology der Reformierten Universität von Kolumbien und lehrt Bibelstudien und Sprachen.
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