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Accra 2004 |
Auf dass alle Leben in Fülle habenMillionen von Menschen wissen nicht, was es heißt, ein sinnerfülltes Leben in Jesus Christus zu haben. Unzählige Menschen leben in Armut oder Konfliktsituationen oder auf der Flucht von einem Land in ein anderes. So vieles in unserer Welt schadet unserer spirituellen und materiellen Lebensqualität. Die Kirche hat die Aufgabe, alle Menschen, die nach Sinn suchen und denen diese Lebensqualitäten vorenthalten werden, auf ein erfülltes Leben in Jesus Christus hinzuweisen. Was ist dieses Leben? - Ein junger Afrikaner erzähltVor zwei Jahren erhielt ich mein akademisch-naturwissenschaftliches Abschlusszeugnis an einer guten Universität. Ich hoffte, sofort eine Anstellung zu finden, aber hier stehe ich nun mit meinen 25 Jahren, zwar mit Diplom, aber arbeitslos. Ich weiß, dass es vielen Leuten in ganz Afrika so geht wie mir. Was für ein Leben soll das sein? Als ich mich an der Universität der presbyterianischen Studentenunion anschloss, hatte mein christlicher Glaube neue Bedeutung bekommen. Durch Bibelarbeiten und Gemeinschaftstreffen wurde ich stark im Glauben und lernte in jeder Lebenslage zu sehen, was Gott von mir forderte. Ich wollte in meiner Gemeinschaft ein Zeuge Christi sein. Dies gab mir ein Gefühl von Erfüllung - mich an einem Leben in Fülle freuen zu können. Heute dreht sich alles stärker um meine Arbeitslosigkeit. Bei Vorstellungsgesprächen wird mir gesagt, die meinem Land wegen seiner Schulden auferlegten Strukturanpassungs-programme seien Teil des Problems - Menschen, die jahrelang gearbeitet haben, würden entlassen und Hochschulabsolventen hätten keine Chance, einen Job zu bekommen. Inzwischen tragen die hohen Lebenshaltungskosten zur Verschlimmerung der Lage bei. Viele meiner Freunde planen, das Land zu verlassen. Was soll ein Christ in einer solchen Lage tun? Ich bin verwirrt und ratlos. Kümmert sich Gott um diese Situation? Um die Hunderttausende wie mich? Um die Länder Afrikas? Um die Armen und die unter Ungerechtigkeit Leidenden, während die anderen reicher werden? Habe ich ein erfülltes Leben? - Eine junge Europäerin erzähltIch wurde schon als Kleinkind in der Reformierten Kirche getauft. Meine Eltern waren keine regelmäßigen Kirchgänger. Als ich ein Teenager war, ließen sich viele meiner Freundinnen konfirmieren, aber mir leuchtete nicht ein, warum ich mir das antun sollte. Vor einigen Jahren habe ich die Universität verlassen und führe nun ein herrliches Leben! Ich bin verheiratet, habe Freude an meiner Arbeit und außerdem wünschen wir uns Kinder. Wir haben alles was wir brauchen. Aber irgendwo tief drinnen suche ich nach meinen reformierten Wurzeln und nach dem, was man Glauben nennt. Im letzten Jahr bekam ich eine koreanische Kollegin. Ich staune, wie begeistert sie von ihrer Kirche erzählt. Sie ihrerseits ist überrascht, wie wenige Leute in Europa zur Kirche gehen. Sie hat Wertvorstellungen, die ich mir auch wünschte. Unsere wachsende Freundschaft wirft immer mehr Fragen auf. Habe ich die "Fülle des Lebens" von der sie spricht? Ist materielles Glück alles was das Leben ausmacht? Wie kann der Glaube dem Leben mehr Sinn geben? Kann die Kirche mir helfen, damit ich zu einem ernsthafteren Glauben finde? Wählt das Leben! ( Joh 10,1-11 und 5 Mo 30,15-20)Im Johannesevangelium bezieht sich Jesus auf sich selbst als den guten Hirten (Joh 10,11). Im Gegensatz zu den Hochstaplern und Dieben, die nur stehlen und zerstören, bringt der gute Hirte die Fülle des Lebens. Jesus schützt Leben inmitten von Tod und Zerstörung. Das Leben im 21. Jahrhundert bietet Systeme und Realitäten, die oberflächlich einigen Menschen Lebensmöglichkeiten zu bieten scheinen, sich aber zerstörerisch auf Millionen anderer auswirken können. Christinnen und Christen sollten kritisch überprüfen, in wieweit die modernen Phänomene von Materialismus und Globalisierung und das Vertrauen auf militärische Macht zu ihrer Sicherheit dem von Jesus angebotenen Leben in Fülle zuwiderlaufen. Welche Antwort wünscht sich Gott von uns angesichts dieser Phänomene? Unsere kritische Überprüfung wird nicht zu einem einfachen Urteil führen, was richtig oder falsch ist, sondern eher darauf hinweisen, dass wir eine Wahl treffen müssen - eine schwierige Wahl. Im 5. Buch Mose fordert auch Mose in seinen Abschiedsworten dazu auf, eine klare Wahl zu treffen, "Wähle das Leben, damit du und deine Nachkommen am Leben bleiben" (5 Mo 30,19). Diese Erklärung richtete sich zuerst an die Israeliten, die in einem neuen Land mit neuen Situationen konfrontiert waren. Sie waren versucht, den leichtesten Weg zu gehen, was bedeutete, dass sie die ungerechten und götzendienerischen Wege der Menschen in ihrer Umgebung nicht in Frage stellten. Der einfachste Weg scheint manchmal der zu sein, die bösen und zerstörerischen Kräfte eben nicht zu hinterfragen, aber dadurch wird das Böse gutgeheißen und wir verflucht. Wir sind berufen, das Leben zu wählen und dem Weg des guten Hirten zu folgen, der sein Leben gab, damit wir alle ein Leben in Fülle haben. Eine solche Wahl beinhaltet aber auch Risiken - denn es ist riskant, sich für das Leben einzusetzen und seine Stimme gegen die Mächte des Todes zu erheben. Zu unserem Christsein gehört aber die Verpflichtung zur Entscheidung, egal welche Risiken das beinhalten mag.
Fragen
GebetHerr, unser Gott, wir danken Dir, dass Du als Mensch in diese Welt gekommen bist, damit wir ein Leben in Fülle haben. Wir sehen, dass viele Menschen in armen und in reichen Gemeinschaften dieses Leben in Fülle, für das du gekommen bist, nicht kennen. Wir bitten Dich, schenke uns Mut, das Evangelium furchtlos zu bekennen, damit die lebenschaffende Botschaft Jesu überall die Kräfte des Todes überwindet. Wir beten, dass die Mitgliedskirchen des Reformierten Weltbundes und die Teilnehmenden an der 24. Generalversammlung mutig zu einem Leben in Fülle für alle beitragen werden. Amen. AutorSetri Nyomi stammt aus Ghana und ist Pfarrer der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche in Ghana. Er ist Generalsekretär des Reformierten Weltbundes.
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